Die scharfen Angriffe des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf Ungarns Regierungschef Viktor Orbán sorgen auch in Deutschland für Aufmerksamkeit. Mehrere Medien berichten über eine deutliche Eskalation im Verhältnis zwischen Kiew und Budapest und diskutieren zugleich über Ton und Hintergrund der Attacken.
Szilard Koszticsak/EPA/Keystone
Das Portal T-online schreibt, Selenskyj habe im Streit um blockierte EU-Hilfen «die Geduld verloren». Hintergrund ist vor allem die ungarische Blockade wichtiger Finanzpakete für die Ukraine.
In einem Presseauftritt hatte Selenskyj erklärt, er hoffe, «eine gewisse Person» in der EU werde die Hilfen nicht länger blockieren. Sonst könne man «die Adresse dieser Person» ukrainischen Soldaten geben, damit sie mit ihm «in ihrer eigenen Sprache sprechen».
Auch die Welt berichtet über die ungewöhnlich scharfen Töne aus Kiew. Selenskyj werfe Orbán offen vor, praktisch jede Form europäischer Unterstützung für die Ukraine zu behindern – von Finanzhilfen über Waffenlieferungen bis zu einem möglichen EU-Beitritt des Landes. Zudem unterstelle er Budapest, Hilfe für Kiew indirekt an russische Öllieferungen durch ukrainisches Gebiet zu knüpfen.
Der Konflikt wird in deutschen Medien zunehmend als persönlicher Machtkampf zwischen den beiden Regierungschefs beschrieben. Orbán gehört seit Beginn des Ukraine-Kriegs zu den schärfsten Kritikern der EU-Ukrainepolitik und blockiert immer wieder neue Hilfspakete.
Gleichzeitig gibt es auch Kritik am Ton Selenskyjs. So warnte die EU-Kommission, Drohungen gegenüber Mitgliedstaaten seien «nicht akzeptabel». Einige Kommentatoren weisen darauf hin, dass ein EU-Beitritts-Kandidat gegenüber bestehenden Mitgliedern diplomatisch vorsichtiger auftreten sollte.
Andere Stimmen sehen in Selenskyjs Angriffen hingegen eine verständliche Reaktion auf Orbáns Politik. Mehrere Analysen betonen, Ungarn habe sich in der Ukraine-Frage zunehmend isoliert und blockiere zentrale Entscheidungen der EU. Entsprechend wachse in Europa die Bereitschaft, Hilfen für Kiew notfalls auch ohne Budapest zu organisieren.