Deutschlands Schüler verlieren zunehmend den Anschluss – insbesondere in den Naturwissenschaften. Laut dem «IQB-Bildungstrend 2024», erhoben von der Humboldt-Universität, erreichen immer weniger Neuntklässler die Mindeststandards in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik. Besonders gravierend sei der Rückgang bei Schülern mit mittlerem Bildungsziel – also Realschülern, berichtet die Bild-Zeitung.
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Konkret verfehlen laut Studie 9 Prozent der Neuntklässler die mathematischen Mindestanforderungen für den Hauptschulabschluss, 34 Prozent den Standard für die Mittlere Reife. Fast jeder vierte Realschüler scheitert an Mathematik, in Chemie liegt die Quote bei 25 Prozent, in Physik bei 16 Prozent, in Biologie bei 10 Prozent. Besonders alarmierend: Selbst viele Gymnasiasten bleiben unter den Erwartungen.
Der Anteil der Schüler, die die Abschlussanforderungen nicht erfüllen, ist gegenüber früheren Erhebungen deutlich gestiegen – etwa um neun Prozentpunkte in Chemie, um sieben in Physik und um fünf in Biologie. Ein flächendeckender Rückgang der Bildungsleistungen sei feststellbar – unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Migrationshintergrund. Kinder von Ausländern oder Flüchtlingen würden bei Mathe/Bio/Chemie/Physik zwar weiter schlechter abschneiden als Mitschüler ohne Migrationshintergrund. Aber die Rückschritte im Bildungsstand betreffen Jugendliche unabhängig vom sozialen oder familiären Hintergrund.
Die Forscher sehen die Ursachen unter anderem in den Pandemiejahren: «Dieser Einschnitt könnte ihre Entwicklung stark beeinträchtigt haben und auch noch vier Jahre später nachwirken.» Auch psychische Belastungen, soziale Isolation und Ablenkung durch digitale Medien seien wesentliche Faktoren.
Besonders betroffen sind laut Bericht Mädchen, die sich häufiger als Jungen isoliert und überfordert fühlen. Bei den Bundesländern schneiden Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern am besten ab. Am Ende der Skala stehen Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland.