Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND wirft dem Kreml vor, die tatsächliche Finanzlage Russlands zu verschleiern. Das berichtet die Welt. Demnach liegt das Haushaltsdefizit Russlands im Jahr 2025 deutlich höher als von Moskau offiziell angegeben.
Nach Einschätzung des BND beträgt das Defizit rund 3,6 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts. Damit liege der Wert etwa ein Viertel über der veröffentlichten offiziellen Zahl. Die Einschätzung stütze sich auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse.
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Der Geheimdienst erklärte: «Dem Eindruck schmerzhafter Einbussen versucht Russland durch geschönte Zahlen entgegenzuwirken.» Die Vertrauenswürdigkeit offizieller russischer Statistiken nehme ab. Dadurch berge der Investitionsstandort Russland «unwägbare Risiken».
Nach Einschätzung deutscher Sicherheitskreise befindet sich die russische Wirtschaft insgesamt in einer breiten Negativentwicklung. Viele Wirtschaftssektoren verzeichneten Rückgänge. Gleichzeitig werde der militärisch-industrielle Komplex weiterhin stark priorisiert. Dies gehe zu Lasten der zivilen Wirtschaft, der Infrastruktur und der Sozialausgaben. «Die Zukunftsfähigkeit der russischen Wirtschaft erodiert immer weiter», teilte der BND mit.
Besonders betroffen sei der Energiesektor als wichtigste Einnahmequelle des Staates. Hohe staatliche Abgaben zur Finanzierung des Krieges in der Ukraine, Angriffe auf Infrastruktur sowie internationale Sanktionen belasteten Produktion und Export. Russisches Öl werde häufig nur mit deutlichen Preisabschlägen verkauft, zudem hätten wichtige Abnehmer wie Indien ihre Importe reduziert.
Nach Angaben der Welt finanziert Russland den Krieg zunehmend durch Mittel aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds. Dieser umfasst rund 150 Milliarden Euro, wobei nur ein Teil kurzfristig verfügbar ist. Gleichzeitig gehen Analysten der Bundesregierung davon aus, dass Russland den Krieg aus finanziellen Gründen kurzfristig nicht beenden muss.