Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel konnte es sich nicht verkneifen, einen von Hohn und Spott triefenden Artikel über den vorläufigen Ausgang im Zollstreits zwischen den USA und der Schweiz zu verfassen.
Zu den bitteren Erkenntnissen der vergangenen Tage gehöre es, dass die Schweiz gar nicht so sehr geliebt werde, wie sie es offenbar geglaubt habe, schreibt das Magazin. Und weiter: Die Vorstellung Schweizer Rechtsnationaler, man könne mit Amerika leichter ins Geschäft kommen als mit der EU, habe sich zerschlagen.
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Der Autor sieht jetzt eine noch nie dagewesene hohe Chance für das neue EU-Abkommen, das «viele Schweizer Sonderwünsche erfülle».
Die Frage ist, was man als «Sonderwünsche» definiert. Etwa Kohäsionszahlungen in Milliardenhöhe, die Übernahme des EU-Gesetzesdschungels, noch höhere Zuwanderungszahlen und eine wirkungslose Einwanderungsbremse, den Verlust der Kontrolle über unsere Energieproduktion, eingeschränkte Bewegungsfreiheit beim Verhandeln von Freihandelsverträgen mit der übrigen Welt, EU-Richter, die uns sanktionieren dürfen, wenn wir Richtlinien nicht übernehmen wollen, und so weiter? Und das alles, damit wir Zugang erhalten zu einem Binnenmarkt, der eigentlich gar kein Binnenmarkt ist? Denn die Handelshemmnisse zwischen den einzelnen EU-Mitgliedsländern sind teils so hoch, dass sie Unternehmen mehr kosten als Donald Trumps 39-Prozent-Hammer.
Übrigens: Der US-Zollhammer wird auch nicht auf 1900 Seiten reguliert, und ausserdem kann über die 39 Prozent ohne Schiedsgericht und EU-Gerichtshof erst noch weiterdiskutiert werden.
Auch an der Neutralitätsfrage echauffiert sich der Spiegel-Autor. Fast vorwurfsvoll schreibt er: «Die SVP will per Volksabstimmung sogar eine noch weitreichendere Neutralität in der Verfassung des Landes verankern.» Ja, genau. Die Schweizer Stimmbürger werden im Endeffekt selber entscheiden, ob unser Land weiterhin unabhängig und neutral seinen Weg gehen will – und zwar, weil es das einzige Volk auf dem Globus ist, dass so etwas kann und darf.
Der Fingerzeig am Schluss des Artikels: «Wer als Kleiner zwischen den Grossen überleben will, muss sich ein Lager suchen – oder riskieren, von allen Seiten unter die Räder zu gelangen.» Das erinnert an die Worte des früheren US-Botschafters in Bern, Scott Miller. Dieser bezeichnete die Schweiz sicherheitspolitisch als Loch im Donut. Er vergass dabei, dass das Loch im Donut der gesündeste Teil dieses frittierten Kuchens ist.