Frankfurt am Main gerät beim Ausbau von KI-Rechenzentren an seine Stromgrenzen. Wie das IT-Portal Golem.de berichtet, warnen führende Branchenvertreter vor Engpässen bei der Netzanschlusskapazität. Trotz milliardenschwerer Investitionspläne internationaler Technologiekonzerne fehlen konkrete Zusagen zum Stromanschluss.
So kündigte der US-Konzern Oracle an, zwei Milliarden US-Dollar in Deutschland investieren zu wollen, insbesondere in der Rhein-Main-Region. Auch Amazon plant bis 2026 Investitionen in Höhe von sieben Milliarden Euro für neue Rechenzentren. Die Realität vor Ort aber sieht ernüchternd aus: Der Energieversorger Mainova teilte gegenüber der «Hessenschau» mit, dass Unternehmen teils mit deutlich weniger Kapazität rechnen müssen als beantragt.
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Laut Golem.de verweist der Verband der Internetwirtschaft in einer Stellungnahme zu den ersten hundert Tagen der Merz-Regierung auf das Kernproblem: «Der Zugang zu Stromnetzanschlusskapazität» müsse sichergestellt sein. Ein Termin für die überfällige nationale Rechenzentrumsstrategie stehe weiterhin aus.
Ein weiteres Hindernis: Der tatsächliche Anschluss erfolgt oft erst Jahre später. «Wenn man jetzt den Antrag stellt, ist der eigentliche Anschluss dann erst in acht bis zehn Jahren», erklärte der Chef des Betreibers Digital Realty der Zeitung Die Welt.
Der Druck wächst. 2023 verbrauchten Rechenzentren in Frankfurt rund ein Fünftel des gesamten Stroms der Stadt. Steigende Energiepreise verschärfen die Lage zusätzlich – sie machen deutsche Standorte im globalen Vergleich zunehmend unattraktiv.
Zwar kündigte die Ampel-Koalition 2022 eine «digitale Dekade» an. Doch viele der damaligen Versprechen blieben unerfüllt. Unter der neuen Regierung von Kanzler Friedrich Merz wurde mit Karsten Wildberger erstmals ein Digitalminister ernannt. Er befürwortet den von der EU geplanten Bau von fünf Giga-KI-Fabriken – jede mit rund 100.000 Chips und Baukosten von bis zu fünf Milliarden Euro. Auch Bayern hat sich als Standort beworben.