Deutschland jubelt: Die Steuereinnahmen sprudeln.
Ein Arbeitskreis aus Ökonomen, der halbjährlich seine offizielle Steuerschätzung abgibt, ist dabei, seine bisher eher düsteren Prognosen zu revidieren und eher mit steigenden Einnahmen zu rechnen.
Klar wird: Bund, Länder und Gemeinden nehmen nächstes Jahr mehr als eine Billion Euro ein – das ist mehr Geld, als je zuvor in die Staatskassen geflossen ist. Und es ist eine Zahl zum Mitschreiben: Eine Billion Euro geteilt durch 83 Millionen Einwohner – das sind rund 12.000 Euro pro Kopf.
FILIP SINGER / KEYSTONE
So viel zahlt durchschnittlich jeder Deutsche jährlich an Steuern. Und weil die Sozialabgaben fast genauso hoch sind, kommen nochmal 12.000 Euro drauf. Macht: 24.000 Euro pro Jahr, also 2000 Euro im Monat, die jeder von uns an den Staat abdrückt – bevor der erste Kaffee bezahlt ist.
Und damit ist nicht Schluss. Laut Bund der Steuerzahler schleppt jeder Deutsche zusätzlich mehr als 30.000 Euro Schulden mit sich herum. Macht summa summarum rund 55.000 Euro Belastung pro Kopf. Das ist kein Staat, können sich die Deutschen sagen – das ist ein Lebenspartner mit teurem Geschmack.
Das Absurde: Trotz Rekordeinnahmen jammert der Finanzminister über leere Kassen. Man müsse sparen, sagt er, weil alles teurer werde. Dabei zeigt die Billionengrenze nicht, dass wir zu wenig zahlen – sondern dass der Staat zu viel ausgibt. Bürgergeld, Rente – jeder bekommt etwas, aber niemand zahlt die Rechnung.
Und die Moral von der Geschichte? Wenn Sie das nächste Mal Ihr Gehalt sehen, denken Sie daran: Die Hälfte davon arbeitet für den Staat. Deutschland ist längst nicht mehr der kranke Mann Europas – eher der wohlgenährte Finanzbeamte, der sich wundert, warum sein Goldesel so laut stöhnt.