Deutschlands Innenministerin glaubte, mit der One-Love-Binde ein Zeichen in Katar zu setzen. Tatsächlich war es überheblich, unanständig und einer hohen Politikerin unwürdig
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Deutschlands Innenministerin glaubte, mit der One-Love-Binde ein Zeichen in Katar zu setzen. Tatsächlich war es überheblich, unanständig und einer hohen Politikerin unwürdig

Das Andenken an frühere bundesdeutsche Politiker weckt Wehmut: Adenauer, Erhard, Strauss, Brandt, Genscher, Schmidt, Schiller, Baum, Lafontaine, auch Merkel darf in dieser nicht vollständigen Aufzählung genannt werden.

Im Vergleich zu dieser verdienstvollen Galerie besteht das heutige Kabinett aus einer rot-grünen Komiker-Truppe, die sich redlich und erfolgreich darum bemüht, das Publikum mit Peinlichkeiten zu verärgern.

Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
German Football Federation (DFB) President Bernd Neuendorf, left, talks to German Interior Minister Nancy Faeser, right, wearing the One Love armband on the tribune prior to the World Cup group E soccer match between Germany and Japan, at the Khalifa International Stadium in Doha, Qatar, Wednesday, Nov
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Das jüngste Beispiel liefert die Innenministerin Nancy Faeser, die dieser Tage die WM-Endrunde der Fussballer in Doha heimsuchte und glaubte, damit dem Turnier und der deutschen Kicker-Truppe einen Dienst zu erweisen.

Im Stil einer Studentin in der pubertären Endphase gefiel sie sich darin, die von der Fifa als Kapitänsbinde des Platzes verwiesene Regenbogen-Binde – sie soll zu Toleranz gegenüber allen sexuellen Ausrichtungen mahnen – auf der Ehrentribüne grossflächig zur Schau zu stellen. Der übergreifende Slogan «No Discrimination» der Fifa reichte ihr für das missionarisch-deutsche Besserwissen nicht aus.

Nancy Faeser war bei dieser Show nicht mutig. Sie war auch nicht provokativ, wie es sich die Dame erhofft hatte. Die offensichtlich unerfahrene Ministerin war gegenüber einem Gastland schlicht überheblich, unanständig und einer hohen Politikerin unwürdig, nachdem sich der ebenso dilettierende Wirtschaftsminister Robert Habeck noch vor wenigen Wochen vor den Doha-Scheichs in den Wüstensand hatte werfen müssen, als er um Öl und Gas für seine Wähler bettelte.

Frau Faeser hat von Katar und der Fifa offensichtlich genauso wenig Ahnung wie Bernd Neuendorf, der vor kurzem ins Amt gehobene Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB). Er drohte nach der Verbannung der Regenbogen-Binde im Zorn gegen die Fifa einen Gang an den Sportgerichtshof in Lausanne an. Immerhin: Der DFB hat die Hoffnungslosigkeit dieses Ansinnens inzwischen eingesehen.

Während die Schweizer Delegation das reglementarisch gebotene Regenbogen-Verdikt der Fifa mehr oder weniger knurrend akzeptierte und zum Sieg gegen Kamerun überging, glaubten die Deutschen trotzig, ihren Drang nach einer Lektion moderner Sittlichkeit doch noch auf dem Feld ausdrücken zu müssen.

Kapitän Manuel Neuer und seine Mitarbeiter hielten für das übliche Teamfoto die Hände über den Mund. Wie viele Zuschauer rund um den Globus diese Art von Zeichensetzung verstanden haben, bleibt offen.

Dem erhofften moralischen Überflug folgte jedenfalls gegen den krassen Aussenseiter Japan ein sportlicher Absturz erster Klasse.

Falls Deutschland am Sonntag das Spiel gegen Spanien verliert und als vierfacher Weltmeister – wie schon vor vier Jahren – nach den Gruppenspielen heimfliegen muss, bleibt, nebst Spott, immerhin ein kleiner Trost übrig: die Tapferkeitsmedaille, übergeben von Nancy Faeser.

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