Sozialisten haben keine Ahnung von Ökonomie, erkannte schon Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek, sonst wären sie keine Sozialisten. Was nicht heisst, dass sich die Linken bisweilen nicht auf die Gesetze der Marktwirtschaft berufen. Aber nur, wenn es ihnen gerade in den Kram passt. Zum Beispiel bei der Besteuerung fossiler Brennstoffe. Durch Lenkungsabgaben soll die Energie künstlich verteuert werden, wodurch man sich einen Rückgang der Nachfrage verspricht.
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Der aktuelle Anstieg von Öl- und Gaspreisen entlarvt diese Theorie als Wunschdenken. Bloss weil die Treibstoffpreise 10 oder auch 20 Prozent teurer wurden, fahren die wenigsten mit dem Velo zur Arbeit. Kaum jemand ist bereit, wegen der hohen Gasrechnung im Winter zu frieren. Und auf den Computer, Strandurlaub, ein warmes Essen oder die Waschmaschine verzichtet erst recht keiner.
Würde der Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Energiesektor beim Privatkonsum funktionieren, wären die Preissprünge nicht so hoch. Doch die Menschen verpuffen Energie nicht zum Vergnügen, sondern weil sie damit primäre Bedürfnisse decken, ohne die eine moderne Zivilisation undenkbar wäre. Wenn Einsparungen nötig sind – und das ist für viele der Fall, wenn die Energiepreise steigen –, stellen sie weniger dringende Ausgaben zurück. Kurzum: Es wird weniger konsumiert und investiert.
Die Folgen für die Wirtschaft sind fatal. Das Sparpotenzial ist längst ausgereizt. Wo dies möglich ist, führen hohe Energiepreise zu einer Verlagerung der Produktion in Länder, wo diese günstiger sind. Jene Bereiche, in denen dies nicht möglich ist, verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit und verkümmern mittelfristig. Der Rückgang des Privatkonsums beschleunigt diesen Prozess. Das Resultat nennt sich Rezession. Eine Rezession ist zwar ein sehr effizienter Weg, um den Energieverbrauch zu drosseln. Denn den Löwenanteil des Energiebedarfs verschlingt nach wie vor die Wirtschaft. Doch in einer Rezession kümmert sich kein Mensch mehr um Eisbären und das Gletschersterben.
Was die islamisch-grünen Ajatollahs in Teheran und die links-grünen Ajatollahs in Berlin, Bern oder Brüssel betreiben, hat die gleichen Folgen. Hohe Energiepreise sorgen von jeher für Elend. Das war schon so, als die Förderländer im Zuge des Jom-Kippur-Krieges 1973 die Welt in eine Ölkrise stürzten. Deutschland und die Schweiz reagierten, indem sie den Bau von Kernkraftwerken massiv vorantrieben. Fünfzehn Jahre später deckte Deutschland einen Drittel seines Strombedarfs durch saubere AKW, die Schweiz gar über 40 Prozent. Frankreich stellte innerhalb eines Jahrzehnts fast seine ganze Versorgung auf sauberen, sicheren und preisgünstigen Atomstrom um. Von solchen Erfolgsgeschichten kann das Windmühlen-Europa heute nur noch wehmütig träumen.