Am ersten Tag der laufenden Wintersession wählte die grosse Kammer die GLP-Nationalrätin Katja Christ zur ersten Vizepräsidentin des Nationalrates. Eigentlich müsste man davon ausgehen können, dass die Baslerin in diesem hohen Amt die Entscheide der Ratskammer respektiert, egal, ob diese in ihrem Sinne ausfallen. Doch die Politikerin, die im Dezember 2026 zur Nationalratspräsidentin gewählt werden soll, foutiert sich um Stil, Anstandsfragen und ungeschriebene Gesetze.
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Konkret geht es um den Beschluss des Nationalrates, Subventionen für den von den SBB geplanten Nachtzug von Basel nach Malmö zu streichen. Christ bezeichnet diesen Entscheid via Facebook als «absurd.» Die GLP-Nationalrätin im Wortlaut: «Wusstet ihr, dass Fliegen in der Schweiz faktisch subventioniert ist? Keine Steuer auf Kerosin, keine Mehrwertsteuer auf Tickets – so bleibt Fliegen künstlich billig, während der Zug teuer wirkt.» Nur schon diese Erklärung ist Pipifax.
Denn kein anderes öffentliches Transportmittel wird höher subventioniert als die Bahn, die Tickets aber sind trotzdem nicht günstig. Allein das allseits beliebte Halbtax-Abo kostet die Eidgenossenschaft hohe Summen, ebenso der superteure De-luxe-Bahnausbau. Aber lassen wir das einmal beiseite.
Wirklich problematisch für eine angehende Ratspräsidentin ist, dass Christ einen Entscheid des Parlamentes hinterher als «absurd» bezeichnet und damit die Mehrheit desavouiert.
Von ihr müsste man in diesem Amt mehr Zurückhaltung und Unparteilichkeit erwarten. Das Abkanzeln der Ratskollegen, weil ihr ein Beschluss nicht passt, geht gar nicht und ist auch unprofessionell.
Liebe GLP-Vertreter, erklärt doch eurer künftigen Nationalratspräsidentin einmal die Basisregeln ihres Jobs.