Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich (Johannes 10, 14). – Im alten Orient, zum Beispiel bei den Sumerern, wurde ein König oft als Hirte seines Volkes verehrt. Im Alten Testament wird der König nie als Hirte bezeichnet. Nur Gott selbst und der endzeitliche Herrscher, mit dem die Hoffnung auf das Reich Gottes in Erfüllung geht, werden diesen Titel tragen. Zwischen dem Hirten und seiner Herde besteht ein steiles Gefälle: Die Schafe folgen dem Hirten vertrauensselig und erwarten von ihm Schutz. Seine Autorität beruht nicht auf Macht und Gewalt, sondern wird von den Gehorchenden als selbstverständliche Konstellation anerkannt. Das urtümlich-menschlich ...