Am letzten Samstag standen die fünf Befreiten in Washington erstmals der versammelten Presse Rede und Antwort. Für diese «sehr komplexe Aktion» hätten «viele Personen ein enormes Risiko auf sich genommen», war da etwa zu hören. Oder: «Es war eine der spektakulärsten Geiselbefreiungen der Geschichte.» Wie genau das vonstattenging, verriet allerdings niemand. Mit Details, so die offizielle Sprachregelung, würde man Menschenleben gefährden.
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Tatsache ist: Die fünf venezolanischen Politiker aus dem nahen Umfeld der Oppositionsführerin María Corina Machado sassen knapp vierzehn Monate lang völlig isoliert fest in der argentinischen Botschaft in Caracas, die ihnen politisches Asyl gewährt hatte. Das Maduro-Regime liess die Dissidenten nicht ausreisen, brach die diplomatischen Beziehungen zu Argentinien ab, belagerte die Botschaft und kappte den Zufluss von Wasser und Strom. Weil Brasilien den Schutz des Gebäudes übernommen hatte, wagte Maduro allerdings nicht, dieses zu stürmen.
Am 7. Mai dieses Jahres tauchten die fünf Geiseln des Maduro-Regimes plötzlich in Miami auf, wo sie von US-Aussenminister Marco Rubio aufs Wärmste empfangen wurden. María Corina Machados Mutter gelang im selben Zeitraum die Flucht ins benachbarte Kolumbien.
Diosdado Cabello, der «starke Mann» hinter dem venezolanischen Diktator Nicolás Maduro, wiegelte ab: Reines Spektakel, hinter der ominösen Befreiungsaktion stehe in Wahrheit ein Deal. Rubio dementierte dezidiert. Doch keine der beiden Regierungen mochte Details preisgeben.
Es gab schon mehrere Gefangenendeals zwischen den USA und Venezuela, die allerdings in aller Öffentlichkeit abgewickelt wurden. So tauschten die USA etwa im Dezember 2023 Maduros Geldwäscher Alex Saab gegen 26 politische Gefangene. Kürzlich schlug der salvadorianische Präsident Nayib Bukele vor, 256 mutmassliche Mitglieder der berüchtigten venezolanischen Gang «Trén de Aragua», die er den USA abgenommen hatte, gegen dieselbe Zahl politischer Gefangener in Caracas auszutauschen.
Gemäss dem Menschenrechtsbüro der venezolanischen Opposition hat die Maduro-Diktatur rund 1200 Regime-Gegner eingekerkert. Weitere 1800 Dissidenten wurden verwarnt und müssen jederzeit mit Verhaftung und Folter rechnen. Dazu kommen sechzig Ausländer, die wegen angeblicher regimefeindlicher Agitation in Venezuela gleichsam als Geiseln festgehalten werden.
Das Regime in Caracas reagierte auf den Auftritt der fünf befreiten Geiseln in Washington mit neuen Verhaftungen. Drei weitere Ausländer wurden festgesetzt, zwei von ihnen sollen inzwischen wieder frei sein. Am Sonntag waren Regionalwahlen angesagt. Doch inzwischen hat die Maduro-Diktatur den letzten Restbestand ihrer demokratischen Fassade aufgegeben. Da es keine Opposition mehr gibt und auch keine Möglichkeit, die offiziellen Resultate zu überprüfen, nimmt diese kein Mensch mehr ernst.