Lord Hughes of Ombersley hat nicht nur einen wohltönenden Titel. Er verfügt auch über telepathische Fähigkeiten. Der Leiter einer Untersuchungskommission hat festgestellt, dass Wladimir Putin hinter dem Nowitschok-Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal im englischen Salisbury stand. Wenigstens «moralisch» sei der Kremlherrscher verantwortlich.
Sputnik
Tatsächlich dürfte sich seine Lordschaft auf Informationen des MI6 gestützt haben. Das ist der Geheimdienst, der im Kino gut aussieht, in der Realität aber Laptops in der U-Bahn vergisst oder fantasievolle Sexgeschichten über Donald Trump erfindet.
Aber nehmen wir mal an, Putin hätte den Befehl zur Ermordung von Skripal gegeben. Das wäre ein Auftragsmord, rechtlich, menschlich, moralisch strafbar.
So wie die Ermordung des saudischen Bürgerrechtlers Jamal Khashoggi – vermutlich angeordnet von Kronprinz Mohammed bin Salman.
So wie die Ermordung führender Palästinenser – angeordnet von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.
So wie die weltweit per Drohne verübten Morde an Feinden Amerikas – fleissig angeordnet von Barack Obama.
So wie der Abschuss mutmasslicher Drogenkuriere in der Karibik – angeordnet von Donald Trump.
Entweder man akzeptiert, dass Mord seit je ein Werkzeug der Staatskunst ist. Das wäre zynisch und menschenverachtend.
Oder man verurteilt alle politischen Morde. Das wäre ehrlich und menschlich.