Wenigstens im Ausland hat man die Tragweite der Entscheidung verstanden. «EU verhängt Sanktionen gegen Schweizer Ex-Oberst Baud», titelt die Berliner Zeitung. Auch die linke Taz berichtet darüber, dass die EU erstmals überhaupt eine solche Massnahme gegen einen Schweizer Staatsbürger erlassen hat.
Jacques Baud, Ex-Nachrichtenoffizier und Oberst der Schweizer Armee, wird von der EU vorgeworfen, ein «Sprachrohr für prorussische Propaganda» zu sein. Die Sanktionen gegen ihn: Einreiseverbot in alle EU-Staaten und eingefrorene Vermögenswerte innerhalb der EU.
Im Unterschied zu den weit weniger direkt betroffenen Zeitungen im Ausland ist der historisch einmalige Schritt einigen der bedeutenden Medien in der Schweiz keine Nachricht wert.
In der NZZ findet sich kein Wort dazu. Auch SRF berichtet nicht. Die dortige Lieblingsausrede beim Verschweigen von Nachrichten, dass diese keinen Zusammenhang mit der Schweiz hätten, sticht hier kaum.
Dabei wäre es wenig Aufwand gewesen, den Sachverhalt zumindest kurz zu melden. Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA verbreitete die Nachricht nämlich an ihre Kunden. Das zeigen entsprechende Texte wie auf dem Newsportal Bluewin.
Der Tages-Anzeiger nimmt den Fall zwar auf, aber unkritisch entlang der EU-Verlautbarungen. Bauds Äusserungen «klingen nach russischer Propaganda», heisst es dort.