Die politische Moralshow an den Grammys erklärt nicht nur den Erfolg Donald Trumps, sondern auch, weshalb sich in der Schweiz immer mehr Menschen vom Establishment abwenden.
Wer verstehen will, weshalb sich die Gesellschaft zunehmend spaltet und Politiker wie Donald Trump an die Macht kommen, musste die Grammy-Verleihung in Los Angeles verfolgen.
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Die Musikpreisgala geriet zu einem demonstrativen Schaulaufen prominenter Künstler gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump. Mehrere Stars trugen Anstecknadeln mit der Aufschrift «ICE out» – ein Protest gegen das Vorgehen der amerikanischen Einwanderungsbehörde.
Der latinoamerikanische Künstler Bad Bunny erklärte pathetisch: «Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden. Wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner.» Popstar Billie Eilish sekundierte mit dem Hinweis in Anlehnung an die Abschiebebehörde ICE und die amerikanische Geschichte, niemand sei «illegal auf gestohlenem Land».
Was dabei auffiel: Schwerreiche Millionäre, die mit Privatjets um die Welt fliegen, abgeschottet in Villen leben und kaum je Kontakt zu normalen Bürgern haben, belehrten das Publikum über Moral und Politik – und beschimpften dabei implizit Trump und dessen Wähler.
Viele dieser Wähler werden beim nächsten Urnengang erneut dem Trump-Lager ihre Stimme geben. Sie haben genug davon, sich von verwöhnten Künstlern die Leviten lesen zu lassen, die keinerlei Konsequenzen ihres eigenen Weltbilds tragen müssen.
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf die USA. Auch in der Schweiz zeigt das politische und kulturelle Establishment wenig Verständnis dafür, dass sich normale Menschen um Masseneinwanderung, Kriminalität und ein sinkendes Niveau an den Schulen sorgen. Ihre Bedenken werden belächelt oder gar nicht erst ernst genommen.
Donald Trump ist noch lange nicht politisch erledigt. Dafür sorgen – unter anderem – genau solche Auftritte.