Die Washington Post publizierte unlängst in Wort und Ton Telefongespräche von Ungarns Aussenminister Péter Szijjártó. Motiv bilden die Wahlen in Ungarn, bei denen vor allem linke Kreise in den USA und die Politiker der EU Interesse an einem Scheitern der Regierung von Viktor Orbán haben. Denn es geht dabei um eine grundsätzliche Richtungswahl, die vor allem für Brüssel und die amerikanischen Demokraten von grösster Bedeutung ist: Löst man die riesigen Probleme Europas mit immer noch mehr EU – oder besser mit einer gewissen Machtrückverschiebung an die Nationalstaaten?
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Skandalös ist nicht der harmlose Inhalt der Gespräche von Aussenminister Szijjártó, etwa mit dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow. Dabei ging es um einen Austausch bezüglich vom Westen sanktionierter Geschäftsleute, bei denen – wie etwa auch Beispiele von in der Schweiz lebenden Russen zeigen – tatsächlich himmelschreiende Ungerechtigkeiten vorkamen.
Skandalös ist, dass Audioaufnahmen und Transkripte von vertraulichen Telefonaten eines ungarischen Ministers bei den Medien landen. Täter sind ganz ohne Zweifel Geheimdienste – und keineswegs ein «Recherchekollektiv», wie uns die NZZ weismachen will. Dass längst zurückliegende Telefongespräche vom August 2024 ausgerechnet unmittelbar vor den ungarischen Wahlen auftauchen, ist dem Blatt keinen kritischen Gedanken wert.
Die NZZ äussert kein hinterfragendes Wort über solche Abhörmethoden gegenüber einem angeblichen Partner der «westlichen Wertegemeinschaft». Kritisiert wird lediglich der Austausch von Ungarn und dessen Regierung mit Russland. Und dass das Kabinett von Viktor Orbán skeptisch ist gegenüber der Politik der Ukraine und dessen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Dass die westlichen Geheimdienste sich sogar mit EU-Partnern und angeblichen Nato-Freunden verwanzen, ist nicht neu. Selbst die angeblich so samtpfotene US-Regierung unter Barack Obama hat seinerzeit die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel heimlich abgehört. Was aber neu ist: dass die Geheimdienste das Abgehörte Wort für Wort an Journalisten weitergeben. Und neu ist, dass Schweizer Leitmedien das für absolut normal und ethisch unbedenklich halten.