Die Mullah-Matrix: Zwischen kühlem Kalkül und heiligem Wahn
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Die Mullah-Matrix: Zwischen kühlem Kalkül und heiligem Wahn

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Die Mullah-Matrix: Zwischen kühlem Kalkül und heiligem Wahn
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Seit den dramatischen US-israelischen Luftschlägen im Februar 2026 und dem darauffolgenden Sturz des langjährigen Obersten Führers Ali Chamenei stellt sich die Frage nach dem Wesen der Islamischen Republik Iran drängender denn je. War das Regime, das die Region über Jahrzehnte in Atem hielt, ein rationaler Akteur, der lediglich seine Sicherheitsinteressen verfolgte? Oder hatten wir es mit einem ideologisierten Terrorstaat zu tun, dessen einziges Ziel die Vernichtung Israels und der Export der Scharia war?

ABEDIN TAHERKENAREH / KEYSTONE
Trauernde Frau mit Bild von Ali Chamenei an einer Beerdigung in Teheran
ABEDIN TAHERKENAREH / KEYSTONE

Die Antwort ist so komplex wie das persische Teppichmuster – und sie liegt in der paradoxen Verschmelzung von Steinzeit-Ideologie und modernem Machtkalkül.

Die Legende vom «rationalen Akteur»

In den Korridoren der westlichen Diplomatie, von den Think Tanks in Washington bis zu den Redaktionsstuben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, hielt man lange am Dogma des «rationalen Irans» fest. Die Theorie: Das Regime wolle primär überleben. Seine Unterstützung für Terrorgruppen wie die Hisbollah oder die Huthis sei lediglich «strategische Tiefe» – ein asymmetrischer Schutzwall gegen eine vermeintliche Einkreisung durch die USA und Israel.

Experten wie der Iranist Walter Posch oder der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze betonten oft, dass Teheran in der Vergangenheit durchaus zu pragmatischen Deals fähig war. Man denke an das Atomabkommen (JCPOA) von 2015 oder die diskrete Kooperation mit den USA im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan nach 2001. In dieser Lesart war der Iran kein «Verrückter mit der Bombe», sondern ein kühler Realpolitiker, der die Sprache der Stärke und der Verhandlung versteht.

Der Terrorstaat als Geschäftsmodell

Doch die Realität des Jahres 2026 hat dieses Bild zertrümmert. Wer den Iran nur als «rational» begriff, unterschätzte die DNA der Islamischen Revolution von 1979. Für das Mullah-Regime war die Vernichtung des «zionistischen Gebildes» (Israel) nie blosse Rhetorik, sondern ein religiöser Imperativ.

Das Modell des «Exportes der Revolution» war kein diplomatisches Nebenprodukt, sondern der Kern der staatlichen Existenzberechtigung. Die Revolutionsgarden (IRGC) fungierten nicht als klassische Armee, sondern als ein global agierender Mischkonzern aus Terror, Schmuggel und ideologischer Indoktrination. Die Milliarden, die durch Sanktionslockerungen in das Land flossen, landeten nicht beim darbenden iranischen Volk, sondern in den Raketenarsenalen des Libanon und Jemens. Rational war hier höchstens die Methode, mit der das Chaos gestiftet wurde.

Die Experten-Debatte: Realismus vs. Konstruktivismus

In der politikwissenschaftlichen Analyse stehen sich zwei Lager gegenüber:

  • Die Realisten: Sie argumentieren, dass der Iran in einer anarchischen Weltregion nach Hegemonie strebt. Jede Grossmacht würde unter ähnlichen Umständen (Sanktionen, feindliche Nachbarn) versuchen, Einflusszonen zu schaffen.
  • Die Konstruktivisten: Sie entgegnen, dass die Identität des Irans als «Vorkämpfer der Unterdrückten» und «Speerspitze des Islam» die Wahrnehmung der Realität verzerrt. Für einen religiösen Eiferer ist der Märtyrertod des eigenen Volkes ein akzeptabler Preis für den Sieg über den «Grossen Satan».

Das bittere Erwachen

Die Ereignisse der letzten Monate – die Massenproteste im Inneren nach dem Tod Chameneis und die Entschlossenheit der Trump-Administration – haben gezeigt: Das Regime war rational genug, um seine Macht mit äusserster Brutalität zu verteidigen, aber ideologisch zu verblendet, um den Weg der Reform zu gehen.

Amnesty International spricht für den Januar 2026 von der blutigsten Phase der Repression seit Jahrzehnten. Das Regime kämpfte ums Überleben – nicht als Nationalstaat, sondern als religiöse Sekte, die ihr eigenes Land als Geisel hielt.

Warnung an den Westen

Die grösste Lehre aus dem iranischen Drama ist das Scheitern der westlichen Hoffnung, man könne einen ideologischen Akteur durch wirtschaftliche Anreize «zähmen». Ein Staat, dessen Verfassung den Kampf gegen den Westen zum Staatsziel erklärt, wird niemals ein verlässlicher Partner sein.

Der Iran war beides: Ein strategisch denkender Unruhestifter, der die Schwächen des Westens perfekt ausnutzte, und ein fanatischer Terrorstaat, der bereit war, die gesamte Region für seine Vision eines globalen Kalifats in Schutt und Asche zu legen. Wer das Mullah-Regime heute noch als «missverstandenen Partner» einordnet, hat die Lektionen der Geschichte – und die Realität von 2026 – nicht verstanden.

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