Olympische Spiele sind politisch. Wer etwas anderes behauptet, der macht sich was vor. Denn wo immer Nationen in Gestalt von Mannschaften oder Athleten aufeinandertreffen, geht es auch immer um einen Wettkampf unterschiedlicher Wertesysteme, Normen und Ideale. Und der Wettstreit von Normen – das genau ist das Politische.
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Zugleich versuchte man immer den politischen Charakter der Spiele zu verschleiern – auch weil er den ökonomischen Interessen von Sponsoren und Veranstaltern im Wege stand. Das diese Entpolitisierung der Spiele nie wirklich gelang, zeigt die lange Liste an Olympia-Boykotten und Olympia-Ausschlüssen. Zudem hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Spiele immer wieder moralpolitisch aufgewertet und zu einem Fest der Menschenrechte erklärt. Die Wiedersprüche waren offensichtlich. Spiele der Menschenrechte – in Peking?
Und nun das: Bei den aktuellen Winterspielen trug der der ukrainische Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewytsch einen Helm, beklebt mit Fotos von im Ukraine-Krieg getöteten Sportlern, teils Freund von Heraskewytsch. Das IOC disqualifizierte den Athleten und entzog ihm die Akkreditierung. Das ist natürlich scheinheilig hoch zehn. Denn im Grunde möchte das IOC je genau das: Athleten die Haltung für die gute Sache zeigen, für Fairness und Frieden.
Andererseits hat Heraskewytsch scheinbar eine grundlegende Sache nicht verstanden. Die Regeln einer Veranstaltung gibt der Veranstalter vor. Und die Teilnehmer haben sich daran zu halten. Auch wenn die Regeln noch so verlogen und scheinheilig sind. Insofern haben sie beide blamiert: Heraskewytsch mit seiner kindischen Sturheit. Das IOC, dem die Politisierung der Spiele einmal mehr auf die Füsse fällt.