Der Sieger des neu angesetzten Ständeratswahlkampfs im Kanton Schaffhausen heisst Severin Brüngger (FDP). Der abgewählte bisherige SP-Mann Simon Stocker stolperte über seinen Zürcher Wohnsitz, den die Weltwoche zuerst publik gemacht hatte. Das Bundesgericht erklärte die Wahl unter diesen Voraussetzungen als gesetzwidrig und ordnete eine Wiederholung an.
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Bei über 68 Prozent Stimmbeteiligung hat sich das Schaffhauser Stimmvolk am Sonntag für Herausforderer Severin Brüngger entschieden. Der Stadt- und Kantonsparlamentarier, Berufspilot und Ex-Spitzenhandballer obsiegte in 24 von 26 Gemeinden.
Dieses Resultat als Folge eines breiten bürgerlichen Schulterschlusses von SVP, FDP und Mitte ist gar nicht nach dem Geschmack des Schweizer Radios und Fernsehens SRF. In der «Tagesschau» kommentierte der säuerliche Luca Laube, dem Wahlsieger sei ein «rekordhohes Budget» zur Verfügung gestanden. Wie wenn sein SP-Gegner um jeden Franken hätte betteln müssen.
Der neue Ständerat, so SRF-Laube, «politisiert am rechten Rand der FDP». Ganz sicher hätte er bei einem Kandidaten vom linken Rand der FDP nichts dergleichen kommentiert. Genauso wenig, wie er erwähnte, dass SP-Stocker während seiner kurzen Amtszeit bezüglich seines Stimmverhaltens so ziemlich der linkeste Ständerat war.
Severin Brüngger «gilt als sehr, sehr wirtschaftsliberal», mäkelte der SRF-Korrespondent weiter. Wie wenn es sich dabei um eine ansteckende Krankheit handeln würde. Brüngger mache «auch keinen Hehl aus seiner Sympathie für den argentinischen Präsidenten Javier Milei, der ja den Staat mit der Kettensäge zurechtstutzen möchte».
Das staatsnahe SRF tat dergleichen, als ob die argentinische Politik im Zentrum von Severin Brünggers Kampagne gestanden hätte. Dabei hat der Freisinnige im Wahlkampf konsequent Themen wie Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gesundheitsversorgung sowie Migration in den Mittelpunkt gestellt.
Für die Schweizer Bevölkerung sind diese Positionen weitaus bedeutsamer, da sie ihren Alltag unmittelbar betreffen. Durch das Ausblenden dieser zentralen Programmpunkte wurde den Zuschauern von SRF wieder einmal die vorgeschriebene sachgerechte und vielfältige Meinungsbildung verwehrt. Es ist nur zu hoffen, dass sie sich mit entsprechenden Beschwerden zur Wehr setzen.