Er hält die Welt in Atem: der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran. Doch einer, der selber einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt, schweigt: Wladimir Putin.
Warum?
Weil sich Vor- und Nachteile des Krieges für den Kreml die Waage halten. Jede Bemerkung könnte die Waagschale in eine unerwünschte Richtung bewegen – gerade beim unberechenbaren Donald Trump.
Sputnik
Positiv vermerkt man in Moskau, dass der Ölpreis steigt – weltweit und so auch für russisches Öl. Richtig schlägt das nicht zu Buche, da Russland ohnehin mit Preisnachlass verkaufen muss.
Wichtiger ist, dass der eigene Krieg aus den Schlagzeilen rückt. Wenn die Welt auf den Nahen Osten blickt, kann Wolodymyr Selenskyj noch so schreien – keiner interessiert sich für ihn.
Eher unernst sind westliche Tatarenmeldungen, dass der Iran-Krieg Amerikas – und damit Kiews – Arsenale leeren könnte. Da liegt noch viel auf Lager.
Mit diebischer Freude freilich wird Putin registrieren, dass die Iran-Krise einen weiteren Keil in das atlantische Bündnis treibt. Langfristig ist das nicht mit Gold aufzuwiegen.
Auf der Soll-Seite steht Moskaus internationaler Gesichts- und Reputationsverlust. Nach Syrien und Venezuela verliert man schon den dritten Verbündeten, ohne einen Finger für sie zu rühren.
Mit Iran fällt zwar ein Waffenlieferant aus, dessen Drohnen Russland militärische Vorteile verschafften. Aber mittlerweile produziert man die Waffe selber.
Als bedrohlich wird man registrieren, dass der Krieg unangenehm nahe an die eigenen Grenzen rückt. Der Iran ist Nachbar auf der anderen Seite des Kaspisees; auch Aserbaidschan könnte in den Konflikt hineingezogen werden. Baku ist wichtig für Russlands Kaukasus-Politik.