Die Weltwoche irrt: Die Axpo zocke ihre Kunden mit hohen Strompreisen ab, behauptet Autor Alex Baur. Das ist falsch
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Die Weltwoche

Die Weltwoche irrt: Die Axpo zocke ihre Kunden mit hohen Strompreisen ab, behauptet Autor Alex Baur. Das ist falsch

Im Beitrag von 29. Januar 2025 stellt Alex Baur Thesen in den Raum, die wir nicht unwidersprochen lassen können.

Der Beitrag stellt einen Zusammenhang zwischen den gestiegenen Strompreisen für Endkunden in der Schweiz und dem Gewinn von Axpo her. Diesen Zusammenhang gibt es nicht.

  • Mit dem Verkauf von Strom an Schweizer Privathaushalte hat Axpo im Geschäftsjahr 2023/2024 weniger als 2 Prozent ihres Gewinns erwirtschaftet. Axpo beliefert nur wenige Schweizer Privathaushalte, nämlich über ihre Tochtergesellschaft CKW. Die CKW gehört zu den günstigsten Stromanbietern.
  • Die grösste Wertschöpfung erzielen wir im internationalen Kunden- und Handelsgeschäft. Das sind beispielsweise langfristige Abnahmeverträge für Entwickler von Anlagen erneuerbarer Energie oder langfristige Lieferverträge für Industrieunternehmen.
  • Vom internationalen Erfolg von Axpo profitiert die ganze Bevölkerung: In den letzten fünf Jahren hat Axpo allein in der Schweiz 1,2 Milliarden Franken investiert, 1200 Stellen geschaffen, rund 700 Millionen Franken Steuern gezahlt und 830 Millionen Franken Dividenden an die Kantone ausbezahlt.

Autor Alex Baur schreibt, Axpo spekuliere auf dem europäischen Markt, statt den Strom in der Schweiz zu produzieren, wenn man ihn braucht. Das ist falsch. Tatsache ist, dass der Strom immer in der Schweiz geliefert wird, wenn die Nachfrage besteht.

© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER
Das Logo des Energiekonzerns Axpo am Hauptsitz, aufgenommen am Donnerstag, 10
© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER

Im Beitrag wird weiter behauptet, die Schweiz könne sich mit Strom aus Kern- und Wasserkraft weitgehend selbst versorgen und müsse somit auch nicht den Schwankungen der Grosshandelspreise ausgesetzt sein. Auch das trifft nicht zu.

  • Die Schweiz ist keine Insel. Sie ist mit 41 Grenzleitungen in das europäische Stromnetz eingebunden. Diese Vernetzung ist wichtig, denn im Winter ist die Schweiz in den allermeisten Jahren auf Stromimporte angewiesen. Eine autarke Schweiz ist unrealistisch.
  • Der Strompreis entsteht an den grossen Strombörsen im Ausland. Darauf hat Axpo keinen Einfluss. Die Schweizer Stromversorger von Endkunden können sich den Schwankungen der europäischen Strompreise nicht entziehen. Die wenigsten können ihren Strombedarf mit Eigenproduktion decken, sondern müssen den Strom am Grosshandelsmarkt und/oder direkt bei einem Stromproduzenten einkaufen.
  • Der Strompreis für Endkunden hängt massgeblich von der Einkaufsstrategie ihres Versorgers ab. Wenn ein Stromversorger seinen Strombedarf lange im Voraus kauft, also den Preis absichert, dann sind seine Kunden vor kurzfristigen Preisschwankungen geschützt. Axpo bietet solche Langfristverträge an. Zahlreiche Grosskunden waren dank dieser Verträge vor der Preisexplosion in der Energiekrise geschützt.

Der Autor äussert sich auch zum Auftrag von Axpo. Axpos Kernaufgabe sei die Gewährleistung der Versorgung der Schweiz, lückenlos und zu jeder Zeit. Richtig ist, dass wir rund 40 Prozent des Schweizer Bedarfs mit unseren Kraftwerken decken. Auf diesen Beitrag sind wir stolz.

Im Beitrag wird weiter behauptet, die internationale Ausrichtung der Axpo und der Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa gefährde die Schweizer Versorgungssicherheit. Das Gegenteil ist der Fall.

  • Der Stromverbraucht wird künftig steigen, gleichzeitig gehen viele Kraftwerke altersbedingt vom Netz. Es braucht deshalb überall einen massiven Ausbau von Produktionskapazitäten. Von neuen Anlagen im Ausland profitiert auch die Schweizer Stromversorgung. Denn nur wenn Europa genügend Strom hat, können wir bei Bedarf auch importieren.
  • In der Schweiz haben es Ausbauprojekte schwer. Langwierige Verfahren und viele Einsprachen verzögern und verteuern neue Projekte.
  • Axpo erwirtschaftet die Mehrheit der Erträge im Ausland, tätigt aber die Mehrheit der Investitionen in der Schweiz. Das Auslandsgeschäft ermöglicht uns die hohen Investitionen in die Schweizer Infrastruktur.

Und schliesslich stellt Alex Baur unsere Aussagen in der «Tagesschau» infrage, wonach ein tiefer Füllstand der Speicherseen ein gutes Zeichen ist. Dies mag erstaunen, es ist aber so. Tiefe Füllstände sind ein Zeichen dafür, dass der Markt von einem ruhigen Winter ausgeht. Andernfalls würde das Wasser möglichst lange für den Notfall zurückgehalten. Dies war der Fall im Krisenwinter 2022/2023, als eine Strommangellage drohte: Damals waren die Speicherseen überdurchschnittlich voll.

Martin Koller ist Chefökonom der Axpo Gruppe.

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