Es steht ausser Zweifel, dass Benjamin Netanjahu viel für Israel getan hat. Kaum jemand hat das Land resoluter, rigoroser und, ja, auch rücksichtsloser gegen seine Feinde verteidigt.
Doch leider nimmt er dabei Kollateralschäden in Kauf, die den Nutzen unter sich zu begraben drohen. Der Premierminister ruiniert den Ruf Israels in der Welt. Schlimmer noch: Er macht Antisemitismus wieder salonfähig.
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Jüngstes Beispiel ist das Gesetz, das die Todesstrafe einführt – mehr oder weniger ausschliesslich für Nichtjuden. Es mag auf dem Mist eines religiösen Fanatikers gewachsen sein. Aber verabschiedet wurde es von Netanjahus Regierung, von seiner Mehrheit in der Knesset und mit seiner eigenen Stimme.
Das Gesetz ist ein weiterer Tropfen in einem Fass, das überrinnt. Es folgt auf die beispiellose Brutalität der Armee in Gaza, auf die Brutalität der Siedler im Westjordanland und auf die Fantasien von Netanjahus Koalitionspartnern, die von Eretz Israel träumen – einem Land vom Fluss bis ans Meer. Für die einen sind das Jordan und Mittelmeer, für andere Nil und Persischer Golf.
All dies ist Wasser auf die Mühlen all jener, die Israel verachten, die es vernichten wollen. Aber es stösst auch zunehmend all jene vor den Kopf, denen das Schicksal des Judenstaates am Herzen liegt. Wie sollen sie verteidigen, was nicht zu verteidigen ist?
Auf die Wiedereinführung der Todesstrafe reagierten Berlin und befreundete Staaten gewohnt samtpfötig: «grundsätzliche Bedenken», «grosse Sorge», man könne es «nicht gutheissen». Doch wenn es Israels Freunden ernst ist, müssen sie endlich Klartext reden mit Israels Regierung. Und die muss erkennen, dass das Land – eine kleine jüdische Insel in einem muslimischen Ozean – die Sympathien seiner Freunde braucht.