China setzt auf eine neue Route für den Handel mit Europa – durch das tauende arktische Eis, berichtet Politico. Am 20. September soll das Containerschiff «Istanbul Bridge» vom chinesischen Megahafen Ningbo-Zhoushan in Richtung Grossbritannien aufbrechen. Begleitet von Eisbrechern testet Peking eine 18-tägige Verbindung über die «Northern Sea Route» entlang der russischen Küste – eine Passage, die jahrzehntelang unpassierbar war und nun angeblich durch den Klimawandel geöffnet wird.
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Laut Politico ist dies kein einmaliger Testlauf, sondern Teil eines strategischen Plans, eine regelmässige Handelsverbindung zwischen mehreren asiatischen und europäischen Häfen zu etablieren. Das Arctic Institute in Washington analysiert das Vorgehen wie folgt: «Die Arktis ist das erste grosse Gebiet auf der Welt, in dem der Klimawandel die geopolitische Landkarte verändert.»
Tatsächlich ist der Weg durch das Nordpolarmeer rund 40 Prozent kürzer als die Route durch den Suezkanal – und politisch womöglich stabiler. Für China geht es weniger um Rentabilität als um geopolitisches Know-how: «Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, Personal zu schulen und sich künftigen Einfluss zu sichern», heisst es vom Arctic Institute.