Wolfgang Reitzle war früher Verwaltungsratspräsident des Zuger Baustoffproduzenten LafargeHolcim, sass im Aufsichtsrat der Deutschen Telecom und amtet als Aufsichtsratschef des Autozulieferers Continental. Der vielfach ausgezeichnete deutsche Manager lebt heute in der Schweiz.
Es stehe ihm als Zugezogenem nicht an, seiner neuen Heimat Ratschläge zu geben, sagt Reitzle in einem Interview mit dem Businessclub «Efficiency Club». Aber: «Als jemand der die EU sehr gut kennt, kann ich davor wirklich nur warnen».
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In den wirtschaftlich relevanten Branchen könne die Schweiz für den Handel bilaterale Abkommen mit der EU abschliessen. «Weshalb dafür das ganze Volk der Schweiz dem EU-Rechtssystem unterworfen werden soll, ist für mich nicht nachvollziehbar», so Reitzle.
Der europäische Gerichtshof als letzte Instanz bei Streitigkeiten fälle seine Urteile nicht immer nur entsprechend dem Recht, so der Manager weiter, «sondern er ist auch eine Art Ausführungsorgan der Kommission». Deshalb würden Entscheidungen «besonders, wenn sie sensibel sind», politisch getroffen.
Reitzles Fazit: Er frage sich, wie die Schweiz Vorteile davon ableiten könne, «dass sie sich in ein, ich sage mal, drastisch mittelmässiges System der Überbürokratisierung hineinbegibt, das auf Dauer die Schweiz nur schwächt und der Schweiz am Ende die Eigenständigkeit nimmt».
Aus seiner Sicht seien die Rahmenverträge mit der EU «absolut ein No-Go», denn über die Zeit würde «die direkte Demokratie sukzessive abgeschafft».