Im Iran spitzt sich die Lage weiter zu. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA sind bei den anhaltenden Protesten inzwischen mindestens 116 Menschen ums Leben gekommen, über 2600 wurden demnach festgenommen. Augenzeugen berichten von gezielten Schüssen auf Demonstranten. Eine Krankenhausmitarbeiterin in Teheran berichtet gegenüber der BBC von direkten Schüssen in die Köpfe und Herzen der Protestierenden. Viele seien «gestorben, bevor sie überhaupt das Krankenhaus erreichten». In Rasht sollen bis zu siebzig Leichen in ein überfülltes Spital eingeliefert worden sein, einige wurden in einem Gebetsraum gestapelt.
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Die Proteste richten sich zunehmend gegen die politische Führung in Teheran. Aktivisten berichten trotz Internetsperre von Demonstrationen in über 180 Städten.
US-Präsident Donald Trump verurteilte das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte und stellte eine mögliche militärische Reaktion in Aussicht. Er schloss den Einsatz von Bodentruppen aus, kündigte aber an, im Fall weiterer Gewalt «dort, wo es wehtut», eingreifen zu wollen. Laut New York Times wurde Trump über mögliche Zieloptionen informiert, darunter auch nichtmilitärische Einrichtungen in Teheran.
Der Iran reagierte mit scharfen Warnungen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte laut Welt, im Falle eines Angriffs würden auch US-Militärstützpunkte und israelische Einrichtungen ins Visier genommen. Diese seien «legitime Ziele».
Präsident Massud Peseschkian kündigte eine Fernsehansprache an. In einem vorab aufgezeichneten Interview will er laut Staatsmedien auf die wirtschaftliche Lage sowie auf die jüngsten Ereignisse eingehen. Auch der Umgang seiner Regierung mit den «Forderungen des Volkes» solle Thema sein – über die Gewalt auf den Strassen verliert das Regime derweil kein Wort.