Lima – Er werde die Blockade und den militärischen Druck gegen Venezuela erhöhen, «bis sie den Vereinigten Staaten von Amerika das Öl, das Land und andere Vermögenswerte zurückgeben, die sie uns vorher gestohlen haben», verkündete Donald Trump am letzten Dienstag auf seiner Online-Plattform Truth Social.
Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
Der US-Präsident fällt damit seinen Verbündeten in Lateinamerika und allen voran Venezuelas Opposition mit voller Wucht in den Rücken - und gibt Maduros Diktatur recht, die sich legitimiert mit ihrem angeblichen Kampf gegen den «US-Imperialimus», der es nur auf das Öl abgesehen habe.
Das Muster ist nicht neu. Mit seiner Drohung, die Argentinier abzustrafen, wenn sie nicht Javier Milei wählten, lieferte Trump der Opposition im Wahlkampf scharfe Munition auf dem Silbertablett. Mileis Equipe dementierte Trump umgehend, um den Schaden zu begrenzen. Erst recht in die Bredouille brachte Trump Jair Bolsonaro, als er Brasiliens Lula-Regierung für die juristisch verbrämte Hexenjagd gegen den Ex-Präsidenten mit einem 50-Prozent-Zollhammer abstrafte. Lula und seine Politrichter nahmen Trumps Affront dankend an und nutzten die Gelegenheit, um Bolsonaro und hunderte seiner Anhänger postwendend und unter medialem Applaus für viele Jahre einzukerkern.
Das Verhältnis zwischen den USA und seinen lateinamerikanischen Nachbarn war schon immer ambivalent. Zum einen teilen Nord- und Südamerika denselben Gründermythos, den «amerikanischen Traum». Die beiden Hemisphären sind sich kulturell und politisch viel näher, als viele Europäer denken. Doch es gibt auch Neid und Animositäten. Für viele Latinos sind die USA ein leuchtendes Vorbild, für andere ist der «US-Imperialismus» schuld an allem Übel der Welt.
Die Realität ist viel komplexer als das wohlfeile Narrativ um den US-Imperialismus aus der marxistischen Mythologie vorspiegelt. Fakt ist, dass fast alle lateinamerikanischen Länder ihre Bodenschätze und Rohstoffe im Verlauf des letzten Jahrhunderts verstaatlicht haben. Viele warfen die amerikanischen und europäischen Multis mit Schimpf und Schande aus dem Land. Die Chinesen, die in Lateinamerika heute wirtschaftlich wichtiger sind als die USA, sind ins Vakuum gestossen.
In Venezuela war der Staat seit dem zweiten Weltkrieg zu 50 Prozent an allen Ölgeschäften beteiligt. 1976 enteignete der gewählte Präsident Carlos Andres Pérez alle ausländischen Erdölfirmen und verstaatlichte den Sektor zu hundert Prozent. Der Sozialist Hugo Chávez (1999-2013) erlaubte zwar das Engagement von US-Firmen, allerdings nur als Minderheitsaktionär (maximal 40 Prozent).
Trumps Forderung auf das venezolanische Öl bezieht sich, so ist aus Interviews zu schliessen, auf die Enteignung vor 50 Jahren. Das ist lächerlich – und wird hier in Südamerika auch von niemandem wirklich ernst genommen (ausser natürlich von den dauerempörten Linken, die sich in ihrem Glauben bestätigt fühlen). Trumps Tanz im geopolitischen Porzellan-Laden erinnert ans Theater um die Annektierung von Grönland, Mexiko und Kanada. Up in smoke – viel Rauch um nichts.
Man fragt sich lediglich: Was bezweckt der US-Präsident mit seinen Provokationen? Steckt dahinter eine besonders raffinierte Strategie – oder schlicht und banal ein Ozean von Präpotenz und Ignoranz? Will Trump den Fokus mit seinen plumpen Übertreibungen auf ein reales Problem lenken – oder will er vielmehr von der Realität ablenken?
Das Phänomen Trump ist und bleibt ein Rätsel. Die Geschichte wird dereinst über ihn urteilen.