Donald Trumps Entscheidung, Schweizer Produkte mit 39 Prozent zu besteuern, hat das Land fassungslos gemacht. Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen kommt die Demütigung hinzu, in dieselbe Kategorie wie Syrien, Serbien oder Laos gesteckt zu werden.
Dazu zwei Beobachtungen und zwei Vorschläge:
Man muss kein Euroturbo sein, um festzustellen, dass die Schweiz als Mitglied der Europäischen Union wie alle 27 Mitgliedstaaten mit 15 Prozent besteuert worden wäre.
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Die emotionale Wirkung ist umso grösser bei denen, die an die Illusion geglaubt haben, wir könnten uns getrost unter den Schutz dessen stellen, was wir lange Zeit als unsere «Schwesterrepublik» bezeichnet haben. Die Entscheidung für den F-35, die Annäherung an die Nato und sogar teilweise die Schweizer Politik zur Unterstützung Israels haben alle den gemeinsamen Nenner, Washington gefallen zu wollen. Für diese bedingungslosen Amerika-Fans ist das eine kalte Dusche.
Kurzfristig gibt es nur eine Option: den Amerikanern zu versprechen, unsere Einkäufe zu erhöhen. Aber was? Gas, Öl, Autos – das sind Entscheidungen privater Akteure. Der einzige Spielraum des Bundesrats wäre, die Importe von Agrarprodukten wie Fleisch zu erhöhen. Aber wir wissen, wie stark die Bauernlobby in der Schweiz ist.
Längerfristig müssen wir unsere Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten verringern, indem wir andere Märkte erschliessen. Der Bundesrat ist darum bemüht, wie das am 2. Juli abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der Efta und dem Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay) zeigt. Diese Politik der Distanzierung gegenüber Washington sollte jedoch auch auf die Sicherheitspolitik ausgedehnt werden. Amerika hat wieder einmal gezeigt, dass es weder berechenbar noch verlässlich ist.
Die Folgen für unsere Wirtschaft, insbesondere für die Industrie, werden nicht unerheblich sein. Aber unsere Industriellen haben bei anderen Gelegenheiten ihre Resilienz und Innovationsfähigkeit bewiesen. Insgesamt macht der amerikanische Markt nur 15 Prozent unserer Maschinenausfuhren und 20 Prozent unserer Uhrenexporte aus.
Der grosse Basler Humanist Carl Spitteler warnte bereits 1914: Staaten sind Gebiete, die nicht auf Gefühlen und Moral beruhen, sondern auf Macht.» Herr, bewahre mich vor meinen Freunden, für meine Feinde sorge ich selbst, lautet ein Sprichwort.