Die Schadenfreude stand Starmer, Macron und Merz ins Gesicht geschrieben. «Nicht unser Krieg», antworteten Europas Granden im Chor auf Donald Trumps Einladung, sich militärisch an der Öffnung der Hormus-Strasse zu beteiligen. Die Amerikaner hätten sie halt vorher konsultieren sollen, belehrten die Europäer ihren Verbündeten. Lange genug hatte Donald Trump sie gedemütigt. Jetzt sollte er den Schlamassel im Persischen Golf selber ausbaden.
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Trumps Antwort folgte auf dem Fuss. Das Lachen dürfte den Europäern inzwischen vergangen sein. Hormus sei im Grunde gar nicht das Problem der Amerikaner, erwiderte Trump, sie hätten bekanntlich selber mehr als genug Öl und Gas. Das wichtigste Ziel – die Vernichtung von Irans Terror-Arsenal – sei weitgehend erreicht, ein baldiges Ende des Krieges sei in Sicht. Die Frage sei nur noch, ob man vor dem Abzug Persien präventiv noch in die Steinzeit zurückbomben werde. Und überhaupt: Es sei an der Zeit, die US-Truppen auch aus Europa abzuziehen. Der alte Kontinent sei gross genug, um sich selbst zu verteidigen. Auf die neuen arabischen Verbündeten sei ohnehin mehr Verlass.
Trumps Affront gegen Europa ist von einer Kaltschnäuzigkeit, die uns mittlerweile bekannt sein sollte. Alles andere als neu ist auch seine Kritik an Europa. Dummerweise hat Trump recht. Die Europäer führen sich zwar auf, als wären sie eine Weltmacht, tatsächlich spielen sie bestenfalls noch in der regionalen Liga. Zu lange haben sie die Grundpfeiler jeder Sicherheitspolitik – Rüstung, Kontrolle der Grenzen, eine wettbewerbsfähige und sichere Energieversorgung – sträflich vernachlässigt. Ob in der Ukraine oder im Nahen Osten, die Europäer zahlen die Zeche und haben, egal, wie es ausgeht, nichts zu gewinnen. Ihre moralischen Proteste lösen nicht mehr als ein mitleidiges Schulterzucken aus.
Trumps grösste Stärke ist, dass er von seinen Gegnern partout unterschätzt wird. Seine rhetorischen Exzesse und Kapriolen lenken von seinen wahren Absichten ab. Gestählt im gnadenlosen Immobilien-Dschungel ist er ein Meister des Bluffs, dem es immer wieder gelingt, Freund und Feind auf falsche Fährten zu locken. Doch Trumps Ziel ist glasklar und deklariert: America First! Was ihn in gewissem Sinne berechenbar macht. Trump stellt die Interessen der USA (die er mit seinen eigenen gleichsetzt) kompromisslos über alles andere. Und wenn er uns immer wieder überrascht, hat das auch damit zu tun, dass wir uns nicht an Politiker gewohnt sind, die auch umsetzen, was sie predigen.
Ob Trumps Politik tatsächlich immer im Interesse Amerikas liegt, darüber lässt sich natürlich streiten. Aus südamerikanischer Perspektive – und das ist die Perspektive des Schreibenden –, trägt Donald Trumps Politik bislang erstaunliche Früchte. Von Argentinien, Chile, Bolivien und Paraguay über Ecuador und Panama bis Costa Rica, Honduras und El Salvador ist Lateinamerika auf Trump-Kurs eingeschwenkt. Und es würde nicht verwundern, wenn demnächst Peru, Kolumbien und Brasilien, wo dieses Jahr Wahlen angesagt sind, diesem Trend folgen. Nord- und Südamerika sind sich, wer hätte das gedacht, in der Ära Trump so nahegekommen, wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr waren.
Der sich anbahnende «Regime Change» in Venezuela und Kuba folgt einem strategisch durchdachten, pragmatischen und von langer Hand geplanten Drehbuch. Die Sache ist längst nicht ausgestanden, noch gibt es wenig zu feiern. Doch erstmals seit Jahrzehnten besteht eine begründete Hoffnung, dass die letzten Despoten vom amerikanischen Kontinent verschwinden. Die Narko-Diktatur in Venezuela und das kommunistische Regime Kuba sind seit Jahrzehnten eine Bedrohung für den Frieden und die Stabilität auf dem Kontinent, für Lateinamerika noch viel mehr als für die USA. Gelingt es Donald Trump mit Marco Rubio, dem Architekten seiner Lateinamerika-Politik, diese Krebsgeschwüre zu beseitigen, gebührt ihm ein Platz in der Geschichte neben Abraham Lincoln und Benito Juárez.
Ähnlich liegen die Dinge im Iran. Die Theokratie in Teheran hat seit über vier Jahrzehnten den USA und Israel offen und offiziell den Krieg erklärt. Sie werkelt unverhohlen an der Atombombe, hat ein gigantisches Arsenal an Missilen angehäuft, die nur einem Angriffskrieg dienen, terrorisiert die ganze Region über ihre fanatisierten Proxys. Dieses Kamikaze-Regime ist allein auf Angriff ausgelegt, das Schicksal der eigenen Bevölkerung ist ihm gleichgültig, wie der aktuelle Krieg zeigt. Das ist seit Jahrzehnten bekannt, alle wissen es, doch nur wenige wagen der deprimierenden Wahrheit ins Auge zu schauen. Donald Trump wie sein Staatssekretär Marco Rubio haben diese bittere Realität nicht nur erkannt, sie waren auch bereit, die Konsequenzen zu ziehen. Die Bedingungen sind glasklar: Die Bedrohung muss verschwinden, wie er regiert werden will, muss der Iran selbst entscheiden.
Ob die Welt am Ende der Ära Trump eine bessere und friedlichere sein wird, werden wir sehen. Doch eines kann man Trump sicher nicht vorwerfen: Dass er konzeptlos und allein von vorübergehenden Launen getrieben handeln würde. Das Gegenteil trifft zu: Noch selten hat eine Regierung so stur und kompromisslos genau jenes Programm umgesetzt, für das sie gewählt wurde.