Brasilien und Schnee – da denkt manch einer an eine Linie Koks an der Copacabana. Schnee von gestern. Bei der Siegerehrung nach dem Olympia-Riesenslalom ertönt die brasilianische Hymne.
In São Roque, einem Skigebiet in Brasilien auf 1230 Metern über Meer, kann meistens auf einer nur 300 Meter langen, blauen Piste (Schwierigkeitsgrad: leicht) gefahren werden. Der einzige Lift ist zurzeit aber ausser Betrieb.
Julia Demaree Nikhinson/AP/Keystone
Braathen ist Sohn eines Norwegers und einer Brasilianerin. Nach der Trennung der Eltern zog Lucas mit seiner Mutter im Alter von drei Jahren nach Brasilien. Als der Vater später das Sorgerecht erhielt, startete Braathen jun. im hohen Norden erst mit 9 Jahren mit dem Skisport. Mit 18 gewann er an der Junioren-WM in Davos mit der norwegischen Mannschaft erstmals Silber.
Im Oktober 2023 gab Braathen in Sölden (Ö) den Rücktritt vom Skisport bekannt. Der Grund? Unstimmigkeiten mit dem norwegischen Verband. Fünf Monate später kündete der Mann mit den oft lackierten Fingernägeln sein Comeback an – neu unter brasilianischer Flagge.
Und jetzt das Happy End. Braathen, der an den Spielen nur den Riesen bestreitet, startet in Bormio bei Schneefall mit der Nummer 1 in den ersten Lauf. Und nimmt dem ersten Verfolger Marco Odermatt gleich eine knappe Sekunde ab. Hinter Odermatt liegen die Schweizer Loïc Meillard und Thomas Tumler ebenfalls in Lauerstellung.
Odermatt holt im zweiten Lauf zwar auf, es bleibt mit 0,58 Sekunden Rückstand auf Braathen bei Rang 2. Meillard holt Bronze. Tumler landet auf dem undankbaren 4. Rang.
Auch wenn Gold am Schluss fehlt, Odermatt legt einzigartige Spiele hin. Rang 4 in der Abfahrt, Bronze im Super-G, Silber in der Team-Kombination – und jetzt wieder Silber im Riesen.