Wer heute durch die irische Hauptstadt Dublin schlendert, sieht das übliche Bild europäischer Grossstädte: Ein bunter Mix von Menschen, die hier eine neue Heimat gefunden haben.
Im Vergleich zu Grossbritannien und dem Kontinent hat diese Entwicklung später, dafür umso unkontrollierter eingesetzt. «Irischer Tiger» lautete das Klischee für die wirtschaftlich erfolgreiche Insel während Jahren. Dieses Wachstum hatte seinen Preis.
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Kommt dazu, dass die Iren eigentlich ein konservatives Völklein sind, dem Erneuerungen stets suspekt waren. Davon zeugt das Machtmonopol, das die beiden Grossparteien Fianna Fáil und Fine Gael seit hundert Jahren teilen. Doch auch ihre Politiker kennen die Sorgen der Menschen nicht mehr; sie politisieren so abgehoben wie ihre Berufskollegen anderswo.
Jetzt ist es mit nächtlichen Krawallen zum Eklat der Unzufriedenen gekommen. Vor einem Asylhotel kam es zu schweren Ausschreitungen, nachdem ein 26-jähriger Flüchtling ein 10-jähriges Mädchen mutmasslich sexuell belästigt hat. Bis zu 2000 Personen versammelten sich vor der Flüchtlingsunterkunft, ein Polizeiauto brannte, ein Beamter wurde verletzt. Sechs Personen wurden festgenommen.
Das hat sich schon im Sommer in Nordirland abgezeichnet. Dort ist die politische Sensibilität der Bürger traditionell grösser als im Süden, so dass sich ebenso heftige Proteste aus ähnlichem Anlass früher entluden.
Die Teilung der Insel ist nicht mehr die grösste Sorge der Iren; die unkontrollierte Einwanderung bewegt sie wesentlich mehr.