Jedes Jahr vergibt das Magazin The Economist die Auszeichnung «Land des Jahres» – nicht für Glück oder Einfluss, sondern für messbare Verbesserung. 2025 fiel die Wahl auf ein Land, das lange Zeit als hoffnungslos galt: Syrien.
Vor einem Jahr herrschte dort noch Bashar al-Assad, der für Chemiewaffeneinsätze, Foltergefängnisse und über 500.000 Tote im Bürgerkrieg verantwortlich gemacht wird. Heute ist Assad im Exil, das Land wird von einer neuen Führung unter Ahmed al-Sharaa regiert – einem einst gefürchteten islamistischen Rebell, der nun mit erstaunlicher Pragmatik überrascht.
BILAL AL-HAMMOUD / KEYSTONE
Statt religiösem Fanatismus setzt die neue Regierung auf einen moderaten Kurs. Frauen dürfen sich frei bewegen, Alkohol ist nicht verboten, und die diplomatischen Beziehungen zu den USA und den Golfstaaten verbessern sich. Auch die Wirtschaft zeigt erste Anzeichen von Erholung, seitdem westliche Sanktionen gelockert wurden. Drei Millionen Geflüchtete sind laut Economist bereits zurückgekehrt – ein klares Zeichen für das neu gewonnene Vertrauen.
Zwar bleibt die Lage angespannt: Lokale Milizen verübten Massaker an Minderheiten, und die Machtstrukturen sind noch immer stark Clan-basiert. Doch die Angst, die über Jahre das tägliche Leben dominierte, ist vielerorts gewichen.
Andere Länder hätten den Titel ebenfalls verdient: Argentinien etwa, das mit drastischen Wirtschaftsreformen unter Präsident Javier Milei Inflationsrate und Armut deutlich senken konnte, schreibt der Economist. Oder Brasilien, das mit der Verurteilung von Ex-Präsident Bolsonaro ein starkes Zeichen gegen den Putschismus setzte. Auch Südkorea und Moldau überzeugten mit demokratischer Standhaftigkeit.