Nicht jeder Präsident einer Jungpartei hat es später in der Politik bis ganz nach oben geschafft. Jonas Lüthy, seit bald zwei Jahren an der Spitze der Jungfreisinnigen, wird das von vielen zugetraut.
Offenbar auch in den eigenen Reihen. Als im Herbst 2025 der Tages-Anzeiger die Präsidenten der Parteien zu einer Podiumsdiskussion einlud, schickte die FDP nicht Thierry Burkart, sondern Jonas Lüthy, einen «unbekannten Jungspund», wie der Blick schrieb.
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Die FDP konnte das riskieren. Denn trotz seines Alters gilt der Basler Jurastudent, der gleichzeitig als Verwaltungsratssekretär in einem Sicherheitsunternehmen tätig ist, als sicherer Wert – und als Beispiel für einen früh professionalisierten Politiker.
Der Hobbysportler, der für einen «verantwortungsbewussten Liberalismus» einsteht, verbindet Sachlichkeit und Zuspitzung. Provokante Aktionen wie die bei den Jungsozialisten sind zwar nicht sein Ding. Verbal wird er aber gern deutlich.
Das hat Kalkül. Lüthy weiss, dass man zuerst überhaupt gehört werden muss, um dann Inhalte vertreten zu können. Diese wiederum sind klassisch liberal: schlanker Staat, nachhaltige Sozialwerke, Wettbewerb im Gesundheitswesen und Bürokratieabbau.
Derzeit ist Jonas Lüthy im Abstimmungskampf zur SRG-Halbierungsinitiative aktiv und plädiert dort für ein Ja. Dabei stört ihn vor allem die Gebührenpflicht für Unternehmen. «Ein Hallenbad konsumiert keine SRG-Inhalte», sagte er in einer Debatte gegen Ex-SRF-Mann Ueli Schmezer.
Die Mutterpartei hat soeben die Nein-Parole beschlossen. Ein Spannungsfeld, das er gut auszuhalten scheint. In einem Interview mit der Basler Zeitung sagte er einst, er sehe es auch als seine Aufgabe, der FDP bisweilen zu erklären, was Liberalismus bedeutet.
Was derzeit deutlich nötiger scheint als auch schon.