Ein Pfarrer nimmt seine demokratischen Rechte wahr und engagiert sich politisch. Die Schweizer Medien sind ausser sich. Bei der AfD zu sein, sei «unheilig»
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Ein Pfarrer nimmt seine demokratischen Rechte wahr und engagiert sich politisch. Die Schweizer Medien sind ausser sich. Bei der AfD zu sein, sei «unheilig»

Gottfried Spieth stammt aus Deutschland und amtet seit 2017 als reformierter Pfarrer in Diessenhofen im Kanton Thurgau. Ohne Beanstandung und von der Kirchgemeinde geschätzt.

Was niemand wusste: In seiner alten Heimat Frankfurt an der Oder, seinem zweiten Wohnsitz, ist Spieth Mitglied der AfD. Nachdem diese dort zur stärksten Kraft wurde, erhielt der Pfarrer die Gelegenheit, in die Stadtverordneten-versammlung einzuziehen.

Ein Pfarrer nimmt seine demokratischen Rechte wahr und engagiert sich politisch. Die Schweizer Medien sind ausser sich. Bei der AfD zu sein, sei «unheilig»

Ein Pfarrer in der Schweiz, der in Deutschland für die AfD politisiert: Den hiesigen Journalisten ist das zu viel. Die Thurgauer Zeitung berichtete zuerst in der gewohnten Schnappatmung, wenn es um die AfD geht.

Verboten sei das Engagement zwar nicht, liess uns die Zeitung wissen, aber es handle sich um ein «unheiliges Doppelmandat». Nach diesem biblischen Urteil wird die Kirchenvorsteherin zitiert, die sich beklagt, man könne nichts machen, der Mann sei als Pfarrer gewählt.

Nau.ch zieht nach und versieht die Aussage «Thurgauer Pfarrer politisiert für AfD in Ostdeutschland!» sicherheitshalber mit einem Ausrufezeichen. Bluewin.ch übernimmt das Thema und stellt ebenfalls mit spürbarer Enttäuschung fest, dass man rechtlich nichts dagegen machen könne.

Der Pfarrer selbst spricht von einem «erweiterten gesellschaftlichen Engagement», das höchstens «eine lässliche Sünde» sei. Mit Rechtsextremismus, wie unterschwellig suggeriert, habe er nichts zu tun, zu Migranten in der Gemeinde habe er ein gutes Verhältnis.

Dennoch räumt er seinen Platz im gegenseitigen Einvernehmen per Ende Jahr, zwei Monate früher als geplant.

Aus Sicht der Medien ist das wohl ein Teilerfolg. Dass sie keine Schlagzeilen verschwendet hätten, wenn Gottfried Spieth für Die Linke amten würde, die Nachfolgepartei der SED in der DDR, wissen sie selbst wohl am besten.

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