Schauspielerin Iris Berben hat in einem Interview mit der Zeit scharfe Kritik an der Gendersprache geäussert. «Ich arbeite ein Leben lang mit Sprache: Ein solcher Unsinn beleidigt mein Sprachgefühl. Und auch meinen Verstand», erklärte sie. Der Auslöser war eine Formulierung, bei der sie statt «Mann» die Wendung «Person, die als Mann gelesen werden möchte» verwenden sollte. Für Berben ist das eine Form sprachlicher Bevormundung, die sie entschieden ablehnt.
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Sie plädiert für eine verständliche Sprache und warnt davor, dass Sprache zur Karikatur verkomme. Kunst und Kultur müssten ihrer Meinung nach Räume bleiben, «in denen Fragen gestellt, Grenzen überschritten und Ungehorsam erprobt werden» dürften. Stattdessen werde zunehmend über Einschränkungen wie kulturelle Aneignung und starre Besetzungsregeln diskutiert.
Insbesondere die Forderung, dass nur noch Menschen bestimmte Rollen spielen dürfen, sorgt bei der 74-jährigen Schauspielikone für Unverständnis. «Schwule sollen nur noch von Schwulen gespielt werden, Juden nur noch von Juden – das empfinde ich als völlig kontraproduktiv», sagt sie. Schauspiel sei gerade das Eintauchen in andere Lebenswelten – und ein Ausdruck von Wertschätzung.
Auch die sogenannte Cancel-Culture sieht Berben kritisch. Diese führe nicht zu mehr Offenheit, sondern wirke ausgrenzend. Statt moralischer Überkorrektheit fordert sie eine Rückkehr zur Leistung als zentralem Kriterium in der Kunst.