Einbruch beim Goldpreis: Das Edelmetall ist nicht mehr die letzte Zuflucht der Vorsichtigen, sondern das neueste Spielzeug der Ungeduldigen
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Einbruch beim Goldpreis: Das Edelmetall ist nicht mehr die letzte Zuflucht der Vorsichtigen, sondern das neueste Spielzeug der Ungeduldigen

Drei Tage haben gereicht, um die goldene Illusion zu beenden. Was eben noch als sicherer Hafen galt, sieht jetzt aus wie ein sinkender Luxusliner: Es geht ums Gold. Sein Preis ist seit Mittwoch um mehr als 6 Prozent abgetaucht – der heftigste Einbruch seit mehr als zehn Jahren. Wie konnte das passieren?

© KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Gold bars at the bank vault of the "Zuercher Kantonalbank" bank, pictured on August 9, 2011 in Zurich, Switzerland
© KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI

Es liegt am grotesken Aufstieg. Über 60 Prozent Plus in diesem Jahr – ein Metall, das sich gerne als Hort der Stabilität ausgibt, legte sich plötzlich das Kostüm eines Meme-Stocks an. Das Bedürfnis nach Sicherheit hatte sich in Spekulation verwandelt, der «sichere Hafen» in ein Spielcasino mit glänzenden Chips.

Nun hat der Markt zurückgeschlagen. Der US-Dollar hat zugelegt, Anleger haben Gewinne eingestrichen, und die Angst, die Gold jahrelang gefüttert hat, weicht einem zaghaften Optimismus. Die Welt geht eben nicht jeden Tag unter – und wenn sie mal durchatmet, fällt der Goldpreis.

Das Schöne am Gold war immer seine Ruhe. Es glitzerte, aber es schrie nicht. Es lag da, schwer und würdevoll, während Aktien, Anleihen und Politiker sich ständig überschlagen. Doch diese Ruhe ist seit Monaten dahin. Der Goldpreis schwankt wie ein Teenager auf Energy Drinks, getrieben vom endlosen Reflex der Zocker, jeden Trend zu überdrehen. Der Glanz des Ewigen ist zum Funkeln des Augenblicks geworden. Anleger, die sich einst auf Gold als Versicherung gegen die Dummheit der Märkte verliessen, merken nun: Das Metall ist selbst dumm. Es folgt der Herde – rauf, runter, ohne Haltung.

Gold war einmal das Symbol für Beständigkeit ohne Wankelmut. Heute ist es das Symbol für Nervosität mit Tradition. In den Tresoren der Notenbanken mag es weiterhin liegen, tonnenschwer und unverrückbar. An den Börsen aber ist es längst zu einem Spielball geworden – einer gelb schimmernden, rasant fliegenden, manchmal platzenden Seifenblase.

Der grösste Witz: Selbst das Edelste bleibt nicht edel, wenn genug Menschen darauf wetten, dass es morgen noch glänzt. Gold ist nicht mehr die letzte Zuflucht der Vorsichtigen, sondern das neueste Spielzeug der Ungeduldigen. Und das rächt sich gerade.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.