Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ist ebenso wie andere öffentlich-rechtliche TV-Sender in Deutschland nicht gerade berühmt dafür, konservative oder rechte Positionen zu verbreiten. Eher das Gegenteil.
Einen Kontrapunkt setzt seit einigen Monaten die Moderatorin Julia Ruhs mit ihrer Sendung «Klar». Dort nimmt sie heisse Eisen wie die Migration wohltuend undogmatisch und ehrlich auf, und von sich selbst sagt sie, sie sei «nicht links».
Daniel Delang / DER SPIEGEL
Das darf nicht so sein, finden einige ihrer NDR-Kollegen. Intern formierte sich Widerstand gegen Ruhs und ihr Format, wie die Welt berichtet.
An einer Sitzung des Senders wurde dessen Leitung ein Protestbrief mit 250 Unterschriften übergeben, und in geheimen Chatgruppen mobben Kollegen Julia Ruhs munter. Der Vorwurf: Die Moderatorin verbreite mit ihrem Team rechtsextreme Meinungen.
Inhaltlich lässt sich diese Behauptung schwer belegen. Die «Klar»-Reportagen glänzen durch eine Vielfalt von Stimmen und Meinungen, die Zahlen und Fakten sind überprüfbar. Julia Ruhs macht eine ausgewogene, objektive Sendung – was heutzutage offenbar schon reicht, um als «rechts» zu gelten.
Das Urteil der Zuschauer ist klar: Befragungen zeigen breite Zustimmung zum Format, das als glaubwürdig wahrgenommen wird. Aber das hilft Julia Ruhs nichts.
In Rekordzeit hat der NRD auf die interne Kritik reagiert. «Klar» ist eine Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk (BR). Ruhs soll nun nur noch in den Sendungen eingesetzt werden, die vom BR produziert werden; bei den NDR-Ausgaben verschwindet sie vom Bildschirm.
Federführend bei der Sabotageaktion war der freie Journalist Daniel Bröckerhoff, der eine NDR-Nachrichtensendung moderiert und zudem für das Medienkollektiv Correctiv tätig ist. Er hatte kürzlich mit einem Beitrag für Aufsehen gesorgt, in dem er von einer anderen «Gehirnstruktur» bei Konservativen fabulierte, die zu eingeschränktem kritischen Denken führe.
Ein Weltwoche-Gespräch mit Julia Ruhs finden Sie hier:
