Beim Schweizer Fussballverband (SFV) tut man sich schwer mit Satire und Doppelbödigkeit. Bei der Schaffhauser Staatsanwaltschaft ebenso.
Letztere verordnete Mirco Casorelli, auf Tiktok besser bekannt als «Bireweich», eine Geldstrafe von 10.800 Franken. Dazu kommt eine Busse von 2700 Franken. Das Urteil erging nach einer Anzeige durch den SFV.
«Bireweich», der einem grossen Publikum als Satiriker und Parodist bekannt ist, wurde wegen Diskriminierung und Aufruf zu Hass verurteilt. Er habe sich über Spieler der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft mit Migrationshintergrund lustig gemacht, welche die Hymne nicht mitgesungen hatten.
Was wirklich passiert ist: Der Satiriker hatte ein in der Tat rassistisch anmutendes Video von Youtube genommen und danach in seiner eigenen Art parodiert. Das Ergebnis war unschwer als sarkastisch erkennbar. Er nahm also rassistische Äusserungen und deren Urheber aufs Korn – und nicht die Spieler.
Wie man darin die Verbreitung von Hass sehen kann, bleibt das Geheimnis der Fussballfunktionäre und der Schaffhauser Staatsanwälte.
Mirco Casorelli, dessen Frau und Kind beide dunkelhäutig sind, hat Einsprache gegen das Urteil eingereicht. Zwar wollte er zuerst auf den Schritt verzichten. Nun hat ihm aber das «Bündnis Redefreiheit» Unterstützung und die Übernahme der Kosten angeboten.
Nun darf man gespannt sein, ob wenigstens die nächste Gerichtsinstanz den Unterschied zwischen Rassismus und einer Parodie auf Rassismus versteht. Falls nicht, wird der Korridor für Komiker, Kabarettisten und Satiriker immer enger. Sie werden künftig nicht mal mehr humoristisch auf echten Hass und Hetze aufmerksam machen dürfen.