Musk hat Mut: Er gründet jetzt tatsächlich die «America Party» – vor allem um ich gegen seinen ehemaligen buddy Donald Trump zu positionieren.
Das Geld dazu, ohne das in den USA eine Parteigründung unmöglich ist, hat der reichste Mann der Welt spielend. Das relative Mehrheitswahlrecht, das die Stimmen für kleine Parteien unter den Tisch fallen lässt, und das Wahlmännersystem, das ebenfalls nur die Grossen bis zum Ende durchkommen lässt, wird es Musk allerdings schwermachen, mit seiner Gründung bis zu einem Wahlsieg durchzudringen.
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Umso mehr gilt sein Mut. Er fordert den derzeit mächtigsten Politiker der Welt auf dem demokratischsten aller möglichen Wege heraus. Einen Präsidenten, dem es seit Monaten gelingt, die oppositionellen Demokraten so in den Schatten zu stellen, dass sie mit ihrer Meinung kein Gehör mehr finden. Einen Mann, der nur den Kapitalismus in Reinkultur liebt und von sozialer Marktwirtschaft vermutlich noch nie etwas gehört, geschweige denn gehalten hat.
An diesem Punkt allerdings muss Musk jetzt selbst Farbe bekennen: Wofür steht der Unternehmer? Ist es einzig und allein seine Sorge, dass Trump die USA in den Ruin treibt, die ihn zu diesem politischen Husarenritt verleitet? Oder hat er eine andere Vorstellung von Politik, möglicherweise sogar ein anderes Wertesystem, das er Trump entgegensetzen kann? Kann Musk mehr bieten als die Rolle des bockigen Milliardärs, der seinem ehemaligen Förderer jetzt den politischen Mittelfinger zeigt?
Wenn ja – dann wollen wir das jetzt sehen. Wenn nicht – dann kann es dem finanzstarken Unternehmer immerhin gelingen, eine Alternative zu Demokraten und Republikanern ins Feld zu führen. Auch das schadet der Demokratie auf keinen Fall.