Donald Trump dynamisiert die festgefahrenen diplomatischen Fronten im Ukraine-Krieg. Das ist eine der wichtigsten Feststellungen nach dem Gipfel mit Wladimir Putin in Alaska. Plötzlich ist eine Lösung des Konflikts wieder bei allen an der Tagesordnung, auch und gerade bei den Europäern, die zuvor nur eine Devise kannten: Waffen liefern, Waffen liefern, Waffen liefern. Und ja keine Diplomatie, pfui!
Dass heute Montag mit Wolodymyr Selenskyj gleich eine ganze Corona europäischer Spitzenpolitiker – von Ursula von der Leyen über Nato-Generalsekretär Mark Rutte bis zu Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Giorgia Meloni – zu Trump ins Weisse Haus pilgert, um eine diplomatische Lösung zu suchen, sagt alles. Ohne Trump würden alle noch in ihren rhetorischen Schützengräben verharren.
Die Bedeutung dieser Vorgänge kann kaum überschätzt werden: Es ist eine völlig andere Ausgangslage, ein völliger anderer Approach: Trump hat es möglich gemacht, dass überhaupt wieder verhandelt wird, dass die Diplomatie, dass der Friede eine Chance erhält.
Aus europäischer Sicht ist das eine Kehrtwende um 180 Grad. Und ein indirektes Eingeständnis, dass der Konfrontationskurs Brüssels, Berlins, Paris’ und auch Londons gescheitert ist.
«Ich bin kein Philosoph, ich bin Dynamit», sagte Friedrich Nietzsche. Man ist versucht, das auf Trump als Politiker anzuwenden. Von der Wirkung her, ja. Aber eigentlich macht er ja nur, was ein verantwortungsbewusster Politiker tun sollte.