Zentralbankchefin Christine Lagarde warnt. Fatih Birol von der Internationalen Energieagentur warnt. Sogar ein besonnener Finne wie Präsident Alexander Stubb schlägt Alarm – und alle sagen dasselbe: Der Krieg gegen Iran hat das Potential, die ganze Welt in eine nie dagewesene Katastrophe zu stürzen.
Alaa Badarneh/Keystone
Gemessen daran, was auf dem Spiel steht, wüsste man gern, was eigentlich das Kriegsziel der beiden Aggressoren, Israel und der USA, ist. Doch das bleibt undurchsichtig. Oder es ändert sich – im Fall von Donald Trump – von Tag zu Tag.
Vorgeblich geht es um die Zerstörung von Irans Atomprogramm – nachdem es im letzten Jahr nach den Worten von Trump eigentlich bereits «ausgelöscht» worden war. Dann war da noch der Regimewechsel in Teheran. Von ihm ist nicht mehr viel die Rede; im Gegenteil, angeblich redet man mit den Mullahs.
Was Israel will, ist klar: Iran als Machtfaktor in der Region zu zerschlagen. Dafür nimmt man auch in Kauf, dass dieser Vielvölkerstaat in einem Bürgerkrieg zerbricht, dass ein Machtvakuum in einer brandgefährlichen Region entsteht.
Ein Vakuum, das auszufüllen, Israel bereit stünde. Um den dann verbliebenen grossen Player in der Nachbarschaft, die Türkei, kümmert man sich später.
Die USA müssen so ein Szenario unter allen Umständen vermeiden, da es eine prekäre Lage exponentiell verschlimmern würde. Ernährung und Energie der Menschen auf der Erde hängen nach wie vor zu einem guten Teil an Produkten aus der Region. Eine Nachbarschaft zudem, die fünf Atommächte als Anrainer hat – Russland, Israel, Pakistan, Indien, China.
Israel und die USA führen zwar gemeinsam Krieg, aber sie verfolgen kein gemeinsames Ziel. Daher wird Trump Benjamin Netanyahu möglichst bald sagen müssen, dass er nicht das Recht hat, den ganzen Globus wegen Israels Existenz ins Verderben zu stürzen.
Die grosse Frage freilich ist, ob der Premier auf den Präsidenten hören wird.