Die EU-Kommission warnt seit Monaten vor der wachsenden Abhängigkeit Europas von US-Technologiekonzernen – doch eine Umfrage unter den 27 Mitgliedstaaten zeigt: Ein echter Kurswechsel ist derzeit nicht in Sicht. Wie das Portal Politico berichtet, halten nationale Regierungen eine vollständige technologische Entkoppelung von den USA für unrealistisch und strategisch nicht sinnvoll.
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Während Brüssel über «digitale Souveränität» spricht, dominieren Amazon, Microsoft und Google weiterhin den europäischen Cloud-Markt. Laut einer Analyse des Unternehmens Proton nutzen 74 Prozent der börsennotierten europäischen Firmen US-Dienste – besonders stark abhängig sind Irland, Finnland und Schweden.
«Ein vollständiger technischer decoupling von den Vereinigten Staaten ist weder realistisch noch im strategischen Interesse Europas», erklärte Litauens Wirtschaftsminister Edvinas Griksas. Auch Lettland verweist auf die Bedrohung durch Russland und betont, dass amerikanische Technologie für die nationale Sicherheit unverzichtbar sei.
Finnland geht dennoch erste Schritte in Richtung Risikovorsorge: Das Land hat ein Szenario durchgespielt, in dem Washington einen sogenannten kill switch für US-Dienste aktiviert. Das Ergebnis: Die Auswirkungen wären massiv – auch für die US-Wirtschaft selbst.
Einige Länder und Regionen versuchen sich dennoch zu lösen. Frankreich hat Beamten den Einsatz von Microsoft Teams untersagt und setzt auf die französische Plattform Visio. In Amsterdam gilt ein Ausstiegsziel bis 2035, das deutsche Schleswig-Holstein meldet bereits einen vollzogenen Umstieg.