Die Autoindustrie in Europa bekommt mehr Zeit dafür, die verschärften CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen – ein Schritt, den Beobachter als Signal politischer Realitätsanpassung deuten, schreibt die Bild-Zeitung. Das Europäische Parlament stimmte in Strassburg einer Regeländerung zu, wonach Autohersteller künftig drei Jahre Zeit haben, die Emissionsziele im Flottendurchschnitt zu erreichen. Damit sollen sofortige Strafzahlungen vermieden werden, wenn die CO2-Werte kurzfristig überschritten werden.
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Formell muss der EU-Ministerrat die Entscheidung noch absegnen, doch auch die Mitgliedsstaaten hatten sich zuvor bereits für die Lockerung ausgesprochen. Hintergrund: Offenbar ist man besorgt, dass europäische Hersteller wie VW, BMW oder Mercedes die aktuell gültigen Grenzwerte in diesem Jahr reihenweise verfehlen könnten – unter anderem, weil der Absatz von E-Autos deutlich hinter den Prognosen zurückbleibt.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüsste den Aufschub. «Politisches Handeln bedeutet, nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch deren Erreichung zu ermöglichen», erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller der Deutschen Presse-Agentur. Sie verwies auf unzureichende Rahmenbedingungen wie langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur, hohe Strompreise, Engpässe bei Halbleitern und fehlende Kapazitäten in der Batterieproduktion.
Die neuen Regeln erlauben es den Herstellern, temporäre Grenzwertüberschreitungen durch überdurchschnittliche CO2-Einsparungen in den Folgejahren auszugleichen.