Die EU-Kommission hat ein neues Wettbewerbsverfahren gegen Google eingeleitet. Vorwurf: Der Konzern soll seine künstliche Intelligenz mit Online-Inhalten Dritter trainiert haben – ohne Zustimmung und Bezahlung der Urheber. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht dem US-Tech-Giganten ein Bussgeld in Milliardenhöhe.
Im Fokus stehen insbesondere die neue KI-Übersicht in der Google-Suche sowie Inhalte der Google-Tochter Youtube. Brüssel vermutet, dass Google systematisch Inhalte von Websites wie Wikipedia oder journalistischen Plattformen verwendet, ohne die Betreiber dafür zu entlohnen oder ihnen eine Ablehnung der Nutzung zu ermöglichen. Die Beschwerde betrifft auch Youtube-Videos, mit denen Googles KI angeblich gefüttert wurde – ebenfalls ohne Vergütung der Urheber.
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Die Europäische Kommission sieht darin nicht nur einen Verstoss gegen Urheberrechte, sondern auch eine unfaire Wettbewerbsverzerrung. Andere KI-Anbieter hätten keinen Zugang zu vergleichbaren Datenmengen und könnten so nicht mithalten. Zudem bestünden für viele Website-Betreiber wirtschaftlich kaum Alternativen zur Sichtbarkeit bei Google – ein Abhängigkeitsverhältnis, das Brüssel kritisch bewertet.
Kommissionskreise sprechen von einem möglichen «eklatanten Machtmissbrauch» durch den Marktführer. Die Untersuchung hat offiziell begonnen, eine Frist zur Entscheidung gibt es nicht. Sollte Google verurteilt werden, droht dem Konzern ein Bussgeld von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Zum Vergleich: Bereits im September war Google von der EU wegen wettbewerbswidriger Praktiken im Werbemarkt zu fast drei Milliarden Euro Strafe verurteilt worden.
Google selbst hat sich zu den aktuellen Vorwürfen bislang nicht offiziell geäussert.