Die Europäische Union droht beim Ausbau erneuerbarer Energien an einem kritischen Punkt zu scheitern: Der Zugang zu den nötigen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und seltenen Erden ist unsicher, wie ein aktueller Bericht des Europäischen Rechnungshofs zeigt.
Trotz ambitionierter Ziele in der 2024 verabschiedeten Verordnung zu kritischen Rohstoffen hinkt die EU bei Importdiversifizierung, heimischer Förderung und Recycling deutlich hinterher. Derzeit stammen viele essenzielle Materialien aus nur wenigen Nicht-EU-Staaten wie China, der Türkei oder Chile. Zudem kommt das Recycling kaum in Gang: Bei 10 von 26 für die Energiewende zentralen Rohstoffen findet aktuell gar keine Wiederaufbereitung statt – bei weiteren 7 liegt die Quote bei unter 5 Prozent.
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Rechnungshofmitglied Keit Pentus-Rosimannus warnt: «Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben.» Die bestehenden Ziele – etwa 25 Prozent Recyclinganteil oder 10 Prozent Eigenförderung bis 2030 – seien unverbindlich, unklar begründet und praktisch kaum umsetzbar.
Auch geopolitisch gibt es Rückschläge: vierzehn Rohstoffpartnerschaften wurden seit 2020 geschlossen, davon sieben mit politisch instabilen Staaten. Ein Abkommen mit dem rohstoffreichen Mercosur-Raum ist bislang nicht ratifiziert, Gespräche mit den USA liegen auf Eis.
Der Rechnungshof befürchtet einen Teufelskreis: Der Mangel an Rohstoffen bremst die Verarbeitung in der EU, was wiederum den Druck zur Versorgungssicherung mindert – mit potenziell fatalen Folgen für die Klimaziele der Union.