Warum sitzt der nächste Elon Musk nicht in München, Mailand oder Malmö? Weil Europa gern das Dach abdichtet, bevor es überhaupt ein Haus baut. In Amerika wird erst gegründet und später gestritten. In Brüssel wird erst gestritten, und dann wundert man sich, dass die Party woanders stattfindet.
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Die Zahlen sind eindeutig: 2024 flossen in den USA 109 Milliarden Dollar private KI-Investitionen. Stanford nennt das fast eine eigene Liga. Europa wirkt dagegen wie ein guter Vorsatz: Die EU und Grossbritannien zusammen kamen 2023 auf rund 9 Milliarden Euro privates KI-Kapital. Das ist nicht «zu wenig Talent». Das ist «zu wenig Munition». Microsoft will im noch laufenden Geschäftsjahr rund 80 Milliarden Dollar in KI-fähige Rechenzentren stecken. Alphabet kündigte 75 Milliarden Dollar für 2025 an. Das sind Summen, bei denen europäische Förderbescheide aussehen wie Trinkgeld mit Stempel.
Europa hat dafür etwas anderes: Regeln. Viele Regeln. Der AI-Act ist seit 1. August 2024 in Kraft. Man kann das «Schutz» nennen. Oder man beschreibt die europäische Spezialität so: Erst den Airbag erfinden und dann das Auto drumherum. Amerika hat mehr Lust auf Risiko, grössere Kapitalmärkte sowieso und eine Kultur, die Scheitern als Trainingslager betrachtet. Europa ist oft das Gegenteil: Wer scheitert, hat ein Stigma. Und wer gewinnt, hat schnell einen Ausschuss im Nacken, der prüft, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist.
Das ist keine Anti-EU-Predigt. Es ist Selbstkritik. Europa hat grandiose Ingenieure, starke Industrie, stabile Institutionen. Nur fehlt der Reflex, gross zu denken und gross zu finanzieren, bevor andere gross werden. Die Elon Musks dieser Welt wohnen nicht dort, wo ihnen einer erklärt, was alles nicht geht. Sie wohnen dort, wo ihnen jemand sagt: Hier ist das Geld.