Kurz vor der Ministerratskonferenz der European Space Agency, der europäischen Raumfahrt Agentur, steht Europas Raumfahrtpolitik auf der Kippe. Statt sich geschlossen gegen globale Konkurrenz wie SpaceX zu positionieren, zerfällt der Kontinent zunehmend in nationale Einzelinteressen. Besonders der Bau von Trägerraketen sorgt für Spannungen zwischen den Mitgliedstaaten, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
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Während Airbus, Thales und Leonardo im Satellitensektor auf Konsolidierung setzen, droht bei den Raketenherstellern ein sogenanntes «Monopson»: viele Anbieter, aber kaum Nachfrage. Start-ups wie Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg wollen das jahrzehntelange Duopol von Ariane Group und Avio aufbrechen. Frankreich hingegen warnt vor zu viel Wettbewerb und fördert mit Maiaspace selbst ein neues Raketenprojekt – sehr zum Unmut in Berlin und Rom.
«Wenn man einen direkten Wettbewerber schafft, wie kann man da noch Vertrauen haben?», fragte Avio-Chef Giulio Ranzo in der FAZ. Sein Unternehmen beendet die Zusammenarbeit mit Arianespace, der Vertriebseinheit der Ariane Group, und setzt auf den US-Markt.
Auch beim Satellitenprojekt Iris 2, das analog zu Elon Musks Starlink eine europäische Konstellation etablieren soll, herrscht Uneinigkeit. Deutschland plant bereits eine eigene Militärkonstellation, Frankreich sieht darin eine Bedrohung des gemeinsamen Vorhabens.
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher hofft, Ende November ein neues Budget von 22 Milliarden Euro durchzusetzen – sieben Milliarden mehr als beim letzten Ministerrat. Doch angesichts der Haushaltssituation Frankreichs und wachsender Zweifel in Deutschland bleibt offen, ob der Kraftakt gelingt. Ranzo bleibt skeptisch: «Das Niveau der europäischen Ausgaben ist so gering, dass wir niemals in der Lage sein werden, auf Augenhöhe mit den Amerikanern zu sein.»