Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat der EU in einem Gastbeitrag schwere strategische Fehler im Ukrainekrieg und in der Energiepolitik vorgeworfen. Orbán schreibt: «Seit vier Jahren ertragen Europas Bürger, dass auf dem Altar eines nicht zu gewinnenden Krieges ihre einst mächtige Industrie zugrunde gerichtet wird.»
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Der ungarische Regierungschef kritisiert insbesondere die Sanktionspolitik gegenüber Russland. Das Ziel, Moskau wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, habe den Krieg nicht beendet. Zugleich liege ein militärischer Sieg der Ukraine weiterhin in weiter Ferne, während die europäischen Volkswirtschaften unter steigenden Energiepreisen litten.
Orbán warnt zudem vor weiteren wirtschaftlichen Schäden für Europa. Nach dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie und den Sanktionen gegen russische Energielieferungen drohe eine zusätzliche Belastung der Industrie – verschärft durch den Krieg im Nahen Osten und mögliche neue Energieengpässe.
Scharfe Kritik richtet Orbán auch gegen die Führung der Europäischen Union. Die Ukrainepolitik werde heute von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EVP-Chef Manfred Weber, dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geprägt. «Europa wurde in Geiselhaft genommen», schreibt Orbán.
Der ungarische Ministerpräsident fordert eine Kurskorrektur in der europäischen Politik. Ohne günstiges russisches Öl und Gas werde Europa die Energiekrise nicht bewältigen können.