Europa will unabhängiger werden – doch bei der Aufrüstung bleibt der Kontinent weiter auf amerikanische Waffentechnik angewiesen. Zwar planen die EU-Staaten in den kommenden zehn Jahren nahezu eine Verdopplung ihrer Militärausgaben auf bis zu 14 Billionen Euro. Doch laut einem Bericht der New York Times droht ein grosser Teil dieser Investitionen in den Händen amerikanischer Rüstungskonzerne zu landen.
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Besonders deutlich zeigt sich das Dilemma beim Kampfjet F-35 von der Firma Lockheed Martin: Europa hat kein gleichwertiges Modell. Wer den Jet kauft, bindet sich langfristig an den Hersteller – inklusive teurer Software-Updates. Auch Patriot-Abwehrsysteme, Raketenwerfer, Drohnen und Kommandoinfrastruktur stammen grösstenteils aus den USA.
Die EU versucht, gegenzusteuern. Ein neues Kreditprogramm in Höhe von 150 Milliarden Euro für gemeinsame Beschaffungen soll die Abhängigkeit reduzieren: Maximal 35 Prozent der Mittel dürfen an nichteuropäische Anbieter gehen. Frankreich wollte diesen Anteil sogar auf 15 Prozent begrenzen. Doch der politische Druck steigt: Nach dem US-Waffenstopp für die Ukraine forderte Präsident Donald Trump von den Europäern, ihre Verteidigung selbst zu organisieren.
Die Strategien der EU-Staaten klaffen auseinander. Während Paris und Brüssel auf einen langfristigen Aufbau der europäischen Rüstungsindustrie setzen, pochen Polen, die baltischen Staaten und Skandinavien auf schnelle Lösungen – auch mit US-Technik. «Wir können nicht alles aus den USA importieren», sagte Polens Aussenminister Radoslaw Sikorski. Doch ohne amerikanische Technologie wird es kaum gehen.