Europawahl: Frieden, Klassen, Islam – die Fragen, die das Volk bewegten, waren der Ampel herzlich egal. Und welche Rolle spielte der Krieg? Zu lange ging Ideologie vor Realität. Das ist nun die Quittung – und das Wagenknecht-Bündnis die Lösung?
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Europawahl: Frieden, Klassen, Islam – die Fragen, die das Volk bewegten, waren der Ampel herzlich egal. Und welche Rolle spielte der Krieg? Zu lange ging Ideologie vor Realität. Das ist nun die Quittung – und das Wagenknecht-Bündnis die Lösung?

Dieser Text erschien zuerst in der Zeitschrift Emma.

Die Wahlgrafik von Berlin ist lachhaft eindeutig. Die Stadt ist in drei Teile geteilt: Der bürgerliche bis grossbürgerliche Westen hat Schwarz gewählt; die hippe Mitte Grün; der Osten Blau. Es ist eben doch eine Klassenfrage (auch wenn es Klassen nicht mehr zu geben scheint); es ist eine Ost-West-Frage (auch wenn es die DDR nicht mehr gibt); und es ist eine Geschlechterfrage (siehe der Beitrag von Chantal Louis). Dabei ist es letztlich tröstlich, dass die Wähler/-innen die Kluft zwischen Reden und Handeln der Parteien an der Macht erkennen – auch wenn sie sich bei der AfD, die noch nicht liefern musste, Illusionen machen.

Europawahl: Frieden, Klassen, Islam – die Fragen, die das Volk bewegten, waren der Ampel herzlich egal. Und welche Rolle spielte der Krieg? Zu lange ging Ideologie vor Realität. Das ist nun die Quittung – und das Wagenknecht-Bündnis die Lösung?

Anatatt die Bösen zu verbieten, einfach überzeugendere Politik machen

«Die Nazis sind diesmal wieder stärker geworden», klagte der Parteivorsitzende Klingbeil (SPD) in einer Talkshow nach der Wahl. Nazis? 570.000 SPD-Wähler/-innen wanderten dieses Mal ab zur AfD (die gleiche Anzahl verlor die Union an die rechten Populisten). Alles Nazis? Nach den offensichtlich erfolglosen, ja zum Bumerang gewordenen «Demos gegen rechts» wollen einige besonders stramme Demokraten die AfD nun einfach verbieten. Was deren Ex-Wähler/-innen, die aus Wut über «ihre» Partei zur AfD abgewandert sind, wohl dazu sagen würden?

Da manifestiert sich mal wieder die inzwischen leider gewohnte Attitüde: Schwarz oder Weiss. Meinung statt Fakten. Gut oder Böse. Und die AfD ist böse, sagen die Guten. Aber anstatt die Bösen und ihre wachsende Anhängerschar verbieten zu wollen, sollten sie einfach die bessere, die überzeugendere Politik machen.

Infratest fand heraus, dass die Sorge Nummer eins der Wähler/-innen die «Friedenssicherung» ist, die Sorge Nummer zwei ist die «soziale Absicherung», und die Sorge Nummer drei sind «Zuwanderung und der Islam». Alle drei Themen spielten in der Politik der Ampel eine zu vernachlässigende Rolle, ja Frieden und Islam sind sogar ein Tabu.

Hoher Zuspruch für das BSW bei Wählern muslimischer Religionszugehörigkeit

Die Pointe ist: Von den zwei Dritteln Bürger muslimischer Religionszugehörigkeit, die gewählt haben, haben die meisten, nämlich 20 Prozent, das BSW gewählt! Also die Partei, die am klarsten und rationalsten den politischen Islam und die unrealistische, ideologisch motivierte Zuwanderungspolitik kritisiert. Das ist nur konsequent. Denn die integrierten Muslime haben in der Tat gute Gründe, die Radikalen zu fürchten. Sie sind weltweit die ersten Opfer der Islamisten, die den Glauben in Geiselhaft nehmen.

Und der Krieg? 41 Prozent aller Wähler/-innen fürchten laut Tagesschau.de, «dass uns die einseitige Unterstützung der Ukraine schaden wird». 41 Prozent! Das ist knapp die Hälfte der Bevölkerung. Auch diese Sorge wird grob ignoriert von den Parteien an der Macht.

So erklären sich auch die 6 Prozent «aus dem Stand» für das BSW; neben der AfD die einzige Partei, die gegen weitere Waffenlieferungen und für Verhandlungen ist. Überraschend allerdings ist, dass Sahra Wagenknechts Partei von 5 Prozent Männern, aber 7 Prozent Frauen gewählt wurde (setzen wir die 5 Prozent gleich Hundert, sind das 40 Prozent mehr Frauen!). Denn bisher galt die Chefin nicht unbedingt als Frauenliebling.

Doch kommen wir noch einmal auf die Klassenfrage: Auch von den Grünen, der Akademikerpartei, sind 50.000 Wähler/-innen zur AfD abgewandert. Tagesschau.de meldet: Nur 6 Prozent der Menschen «in einer schlechten wirtschaftlichen Situation» haben die Grünen gewählt, aber 32 Prozent die AfD. Doch nur 3 Prozent die auch darum gescheiterte Linke (wie die FDP).

Soziale (Un)Gerechtigkeit, Krieg sowie eine unrealistische, ideologisch motivierte Einwanderungspolitik und die Unterwanderung durch den politischen Islam, alles Themen, die die Menschen bewegen, die die Ampel bisher jedoch lässig ignorierte, ja tabuisierte. Dafür wurde sie zu Recht abgestraft.

In Frankreich ordnete Präsident Macron Neuwahlen des Parlaments an

In Frankreich zog Präsident Macron aus seiner Niederlage Konsequenzen. Er hatte nur knapp die Hälfte der Stimmen wie seine rechtspopulistische Konkurrentin Marine Le Pen erhalten. Macron ordnete Neuwahlen des Parlaments an. Er wird übrigens dennoch Präsident bleiben, in Frankreich wird der Präsident seit de Gaulle direkt vom Volk gewählt. Die Kluft zwischen Parlamentsmehrheit und der Präsidentenpartei nennt man «Kohabitation». Kann Macron das bis zur Präsidentenwahl 2027 durchhalten?

Und wie lange werden Scholz, Habeck und Lindner ihren selbstgerechten Kurs durchhalten? Warten wir die Landtagswahlen im Herbst ab.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.