Der frühere Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, bewirbt sich um das höchste Amt in seiner Heimat Elfenbeinküste. Der 62-Jährige wurde von der Demokratischen Partei der Elfenbeinküste (PDCI) offiziell als alleiniger Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im Oktober nominiert. Dafür gab Thiam sogar seine französische Staatsbürgerschaft auf, berichtet der Tages-Anzeiger.
LEGNAN KOULA / KEYSTONE
Thiam, der mehr als zwanzig Jahre im Ausland gelebt hat, gilt als international vernetzter Wirtschaftsführer, aber im eigenen Land als wenig bekannt. Sein familiärer Hintergrund reicht bis zum ersten Präsidenten der Elfenbeinküste, Félix Houphouët-Boigny, zurück. Trotz dieser prominenten Herkunft kämpft Thiam mit einem Imageproblem – sowohl wegen seines langen Auslandsaufenthalts als auch wegen seiner umstrittenen Zeit bei der CS.
Als CS-CEO von 2015 bis 2020 prägte Thiam eine Phase des Umbruchs. Unter seiner Leitung verlor die Bank rund neun Milliarden Franken an Börsenwert, während Thiam selbst 62 Millionen Franken verdiente. Sein Rücktritt folgte im Zuge des sogenannten Spygate-Skandals, der Beschattung des ehemaligen CS- Geschäftsleitungs-Mitglieds Iqbal Khan. Kritiker werfen ihm Führungsversagen vor. Thiam selbst sieht sich als missverstandenen Reformer, der Opfer rassistisch motivierter Angriffe wurde.
Politisch bringt Thiam Erfahrung mit: 1998 war er in der Elfenbeinküste Planungsminister, bis ihn ein Putsch ins Exil zwang. Nun hofft er auf ein Comeback. Doch die Herausforderung ist gross: Die Regierungspartei RHDP hat ihren Kandidaten zwar noch nicht bestimmt, doch Amtsinhaber Alassane Ouattara signalisiert Interesse an einer vierten Amtszeit – mit 83 Jahren.