Der ehemalige Direktor des Nationalen US-Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, erhebt nach seinem Rücktritt schwere Vorwürfe gegen die Trump-Administration.
In einem ausführlichen Interview mit dem Journalisten Tucker Carlson sagte er, zentrale Entscheidungsträger seien im Vorfeld des Iran-Kriegs vom Präsidenten ferngehalten worden. Kritische Stimmen hätten keinen Zugang gehabt, eine unabhängige Lagebeurteilung sei «weitgehend unterdrückt» worden.
Besonders brisant: Kent widerspricht der offiziellen Begründung für die Angriffe. Es habe «keinerlei Geheimdienstinformationen» über einen unmittelbar bevorstehenden iranischen Grossangriff gegeben, erklärte er. Szenarien wie ein «9/11 oder Pearl Harbor» seien nie konkret belegt gewesen.
Auch die Einschätzung des iranischen Atomprogramms fällt deutlich anders aus als im Weissen Haus: Der inzwischen getötete Revolutionsführer Ali Chamenei habe eher bremsend gewirkt und den Bau einer Atombombe verhindert. Iran sei «nicht kurz davor» gewesen, eine solche Waffe zu entwickeln.
Kent sieht zudem Israel als treibende Kraft hinter der Eskalation. Die behauptete «unmittelbare Bedrohung» sei letztlich aus der Erwartung eines israelischen Angriffs entstanden, nicht aus konkreten iranischen Plänen. «Das wirft die Frage auf, wer unsere Nahostpolitik bestimmt», so Kent.
Seinen Rücktritt begründet er mit internen Blockaden: Abweichende Analysen seien «abgefangen worden, bevor sie das Weisse Haus überhaupt erreichten». Mit Trump habe er sich dennoch «respektvoll» getrennt.
Kritik am Auftritt von Joe Kent kommt aus den eigenen Reihen: Republikaner werfen ihm vor, mit seinen Aussagen antisemitische Narrative zu bedienen.